Archiv des Autors: Wilhelm Matzat

Mahlke, Friedrich (1871 – 1944) und sein Sohn Mahlke, Wilhelm (1905 – 1945), Architekten

MahlkeGeboren wurde Ludwig Wilhelm Friedrich Mahlke am 24.3.1871 in Gartz an der Oder in Vorpommern, als Sohn des Wachtmeisters Wilhelm Mahlke und der Laura Knütter.

Am 18.12.1902 trifft der Regierungsbaumeister Friedrich Mahlke in Tsingtau ein und übernimmt die Leitung der Hochbauabteilung III b.  Das Bürogebäude befand sich damals im Lazarettweg (Pingyuan Lu).  Offensichtlich wurde er bald mit der Aufgabe betreut, den Architekturentwurf für das neue Regierungsgebäude zu liefern und dann dessen Bau zu leiten. Sein Technischer Sekretär ist Werner Lazarowicz. Dieser wird später den Architekturentwurf für die Residenz des Gouverneurs erstellen und dann diese bauen.

Anscheinend war Mahlke bereits verlobt, als er nach Tsingtau ausreiste. Aber erst im Frühjahr 1904 lässt er seine Verlobte nachkommen. Er reist ihr nach Hongkong entgegen, dort findet am 28.4.1904 die Trauung mit Maria Louise Wilhelmine Hosemann sowohl beim britischen Standesamt als auch in der deutschen evangelischen Kirche statt. Pfarrer Theodor Kriele nahm die Trauung vor. Maria Hosemann war die Tochter des Pfarrers Adalbert Hosemann und der Elisabeth Martius. Sie wurde geboren am 2.12. 1877 in Malchow, Kreis Niederbarnim. (Dieses Dorf wurde bei der Schaffung von Groß-Berlin nach 1920  zu Berlin eingemeindet.) Bei der Trauung heißt es, Maria Hosemann komme aus Biesdorf. Offensichtlich hatte ihr Vater inzwischen die Pfarrstelle gewechselt. 1877 war er Dorfpfarrer von Malchow, 1904 von Biesdorf bei Wriezen.

In Tsingtau wird dem Paar am 19.4.1905 der Sohn Wilhelm geboren., der später auch Architekt wurde. Die Taufe am 11.6. wurde durch Missionssuperintendent C. Johannes Voskamp vorgenommen. Das fertig gestellte Gouvernements-Dienstgebäude wird am 2.4.1906 der Verwaltung übergeben. Damit hat Mahlke seinen Auftrag erfüllt, er verlässt  Tsingtau mit Familie am 4.5.1906, hält sich noch 2 Wochen in Japan auf, ehe er sich nach Deutschland begibt.

       Im Jahre 1907 ist er nachweislich Königlicher Kreisbauinspektor in Angermünde in der Uckermark. Im August dieses Jahres erscheint sein detaillierter Bericht (mit Fotos) über den Bau des Tsingtauer Regierungsgebäudes in dem Zentralblatt der Bauverwaltung. Bis 1913 ist er entweder in Angermünde oder einer anderen Kreisstadt der Provinz Brandenburg tätig, aber ab Ende 1912 oder Anfang 1913 erhält er einen Posten in Berlin. Aus den jährlich edierten  Adressbüchern Berlins lässt sich von 1913 bis 1943 der weitere Werdegang Mahlkes erschließen. Von 1913 bis 1927 wohnte er in Lankwitz, Verdistr. 16 II.  Im Jahre 1919 wurde allerdings die Verdistraße umgetauft in Humperdinckstraße. Der Eintrag lautet 1913: „Regierungsbaumeister, Vorstand des Kgl. Polizeibauamtes VI Berlin, beeidigter Sach-verständiger für Hausschwammuntersuchungen für das Kammergericht und das Landgericht I. II. III.“    1915 wird er zum Baurat ernannt. In den Adressbüchern von 1918 und 1919 heißt es dann: „Baurat, Hauptmann d.R.“  Aus der späteren Todesanzeige ist zu ergänzen: „Hauptmann d.R. der Eisenbahntruppen und Ritter des E.K. I. von 1914 und anderer Orden.“   Ab 1918 erwähnen die Adressbücher nur noch den Titel, nicht mehr, wo Mahlke tätig ist. Man kann aber davon ausgehen, dass er auch in der Weimarer Republik weiterhin das Polizeibauamt VI leitet. 1923 folgt die Ernennung zum Oberbaurat. Da Mahlke von seiner Ausbildung her Architekt war, müsste er auch nach 1906 Bauten entworfen und gebaut haben. Ein Gebäude von ihm lässt sich nachweisen, weil es in der jetzigen Berliner Liste der denkmalgeschützten Häuser steht: es handelt sich um das 1928 errichtete Studenten-wohnheim in Wilmersdorf, Johannisbergerstraße 24 – 24 A.  Im Internet kann man ein Foto dieses Gebäudes sich anschauen.

        Seit Wintersemester 1922/23 war er nebenamtlich als Privatdozent an der Technischen Hochschule in Charlottenburg tätig, in der Fakultät für Bauwesen, Fachabteilung Architektur.  Bis zum Sommer 1937 liest er Semester pro Semester am Mittwoch eine Vorlesung von 8-10 Uhr über das Thema. „Baustofflehre“. Später heißt die Vorlesung dann: „Baustoff und Hausschwamm, mit Lehrausflügen“. Seine Spezialität war die Bekämpfung und Unter-suchung von Hausschwamm.  1928 erschien sein „Handbuch der Holzkonservierung“, das noch 1950 in dritter Auflage eine Neubearbeitung erfuhr.

          1928 zieht Mahlke um nach Lichterfelde, Albrechtstr. 11, wo er bis 1943 wohnen wird.      Im Jahre 1930 geht er in den Ruhestand als Magistratsoberbaurat i.R. Die Lehrtätigkeit an der TH wird aber fortgesetzt und am 10.5.1930 wird er zum „nichtbeamteten außerordentlichen Professor“ ernannt. Das Sommersemester 1937 ist sein letztes.

 Wie schon 1914 heißt es noch im letzten Adressbucheintrag von 1943: „Oberbaurat, Prof. der TH, Hausschwamm-Sachverständiger“!  Am 1.3.1943 wurde das Wohnhaus in Lichterfelde, Albrechtstraße 11, bei einem Bombenangriff total zerstört. Zusammen mit seiner Frau fand Mahlke eine vorläufige Unterkunft in Charlottenburg, Leibnizstraße 62, zog es dann aber doch vor, das gefährliche Berlin zu verlassen und in Hildburghausen eine ruhigere Bleibe aufzusuchen. Dort ist Friedrich Mahlke, 74 jährig, am 13.5.1944 gestorben. Begraben wurde er jedoch auf dem Dreifaltigkeitskirchhof in Berlin SW 61, Bergmannstr. 39/41. Es scheint sich um eine Familiengrabstätte gehandelt zu haben. Vielleicht war dort sein Vater begraben, denn dieser, der ehemalige Wachtmeister, wird später überraschenderweise in einer Standesamturkunde als „Geheimer Regierungsrat in Berlin“ erwähnt.

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          Die Witwe, Maria Mahlke, geb. Hosemann, überlebte ihren Mann um 30 Jahre. Sie lebte zum Schluss in Detmold, Paulinenstr. 4, wo sie 95 jährig am 12.2.1973 gestorben ist. Bestattet wurde sie neben ihrem Mann auf dem Berliner Friedhof (wie oben angegeben).

Über das von Friedrich Mahlke entworfene und 1903-06 in Tsingtau gebaute Gouvernements-Dienstgebäude, das bis 1992 das Rathaus von Tsingtau war, hat Anne Christin Hennings im Jahre 2005 ihre Magisterarbeit im Fach Kunstgeschichte an der Universität Bonn geschrieben. Die Arbeit ist gedruckt unter dem Titel: „Das Deutsche Rathaus von Tsingtau (Qingdao): Ein Symbol wechselnder Herrschaften.“  Bonn 2005. = Studien und Quellen zur Geschichte Schantungs und Tsingtaus. Heft 7

Das Ehepaar Friedrich und Maria Mahlke hatte 3 Kinder:

1) Wilhelm (1905 – 1945)

2) Margot   (1910 – 1937)

3) Helmut  (1913 – 1998)

Der Sohn, Wilhelm Mahlke, * in Tsingtau am 19.4.1905, verbrachte seine Jugend im elterlichen Hause in Berlin-Lankwitz. Er studierte Architektur und schloss das Studium ab als Diplomingenieur für Hochbau. Im Berliner Adressbuch von 1936 wird er als Architekt bezeichnet, er wohnt in Lankwitz, Frankentaler Ufer 11a. Später wohnt er bei seinen Eltern in Lichterfelde, Albrechtstraße 11.  Das Haus erleidet am 1.3.1943 einen Totalschaden durch Bomben. Im 2. Weltkrieg wurde er zur Luftwaffe eingezogen und erlebte das Kriegsende in Österreich.   Am 3.6.1945 kam er nach Blankenburg/Harz, Herzogstr. 14,  zu seiner Frau, die zusammen mit ihren Eltern aus Kiel dorthin evakuiert worden war. In Blankenburg ist er  bereits am 25.9.1945 gestorben.

Wilhelm Mahlke war in erster Ehe verheiratet mit Elisabeth Anna-Marie Peisker, geboren in Hannover 12.7.1906 als Tochter von Bruno Peisker und der Elisabeth, geb. Weidner. Die Trauung fand am 10.7.1929 in Potsdam statt. Die Ehe wurde 1937 geschieden. Anna-Marie, heiratete in 2. Ehe Alfred Carten und starb am 26.3.2003 in Erkrath.

Aus Wilhelms 1. Ehe stammt der Sohn: Manfred Mahlke, Ingenieur. * in Potsdam 25.1.1930, + 11.11.2000 in Iserlohn. Er heiratete in erster Ehe Elfriede Croon (* 1932). Die Ehe wurde 1958 geschieden. Manfred heiratete 1965 Ursula Schumacher (* 1933).

Wilhelm heiratete in zweiter Ehe am 5.11.1942 in Kiel Marie Ilse Thunsdorff. Sie wurde am 17.11.1908 in Kiel geboren, als Tochter von Max E.O.Thunsdorff und der Meta M. geb. Böring. Ilse starb am 3.1.2003 in Weinheim.

Margot Mahlke wurde am 10.6.1910 in Angermünde geboren. Sie heiratete am 10.8.1936 in Berlin-Lichterfelde Dr. med. Konrad Lange und starb 17.10.1937 bei der Geburt ihres Sohnes Harald. Dr. Konrad Lange (1909 – 1986) war damals in Essen als Arzt tätig. Dr.med. Harald Lange ist Professor em. für innere Medizin und Nephrologie an der Universität Marburg. (Daten zu seiner Biographie und seinen Publikationen in: Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender 2007).

Helmut Mahlke (* in Berlin-Lankwitz 27.8.1913; + Heikendorf 22.2.1998) wurde Berufsoffizier in der Luftwaffe, ihm wurde im 2. Weltkrieg das Ritterkreuz verliehen. Später diente er in der Bundeswehr, 1969 wurde er Generalleutnant.  Er war verheiratet mit Annemarie Vogt (* 1914, + Heikendorf 21.2.2007).  Aus dieser Ehe 3 Kinder:

1) Rainer Mahlke

2) Torsten Mahlke

3) Christiane Mahlke

(Zusammengestellt von Wilhelm Matzat in Bonn, nach Angaben der evangelischen Kirchenbücher von Hongkong und Tsingtau, den Berliner Adressbüchern, den Vorlesungsverzeichnissen der TH Berlin von 1922 bis 1937, Akten des Tsingtauer Gouvernements im Bundesarchiv-Militärarchiv in Freiburg i.B., und Mitteilungen von Herrn Wolfgang Mahlke, einem Urenkel von Friedrich Mahlke, für die ich mich bedanke.)


Brücher, Dr.phil. Max (1873-1924), Bergwerksdirektor und Bruecher jun., Dr.rer.pol. Max (1910-1986), Firmenmanager

Max Brücher sen. wurde am 31.10.1873 geboren zu Grube Brüche bei Müsen im Kreise Siegen, Westfalen, als Sohn des Grubenverwalters Ludwig Brücher und der Auguste, geb. Stahlschmidt. Die Eltern zogen 1876 nach Siegen, dort besuchte er von 1879-83 die Elementarschule und von 1883-92 das Realgymnasium. Er folgte der Tradition seiner Familie und wandte sich dem Bergmannsberufe zu. Von Ostern 1892 bis Ostern 1893 absolvierte er eine praktische Lehrzeit als Bergmann. Dann studierte er in München und Berlin und der TH Aachen. 1896 wurde er nach bestandener Prüfung zum Kgl. preußischen Bergreferendar ernannt und arbeitete anschließend erst im Saarrevier, dann in Westfalen im praktischen Grubenbetrieb des Kohlenbergbaus und erweiterte seine Kenntnisse durch Besuch der Kohlenfelder Südwestrusslands. Ende 1900 wurde er zum Bergassessor ernannt, und wenig später promovierte er an der Universität Erlangen am 8.2.1901 mit einer geologischen Studie zum Dr. phil.  Der Titel seiner Arbeit lautet: „Der Schichtenaufbau des Müsener Bergbau-distrikts: die daselbst auftretenden Gänge und die Beziehungen derselben zu den wichtigsten Gesteinen und Schichtenstörungen.“ (Das ehemalige Bergmannsdorf Müsen liegt im nördlichen Siegerland und ist jetzt eingemeindet zu Hilchenbach.)  Bergassessor geworden, war er als Berginspektor wieder im Saarrevier tätig und wurde dann Lehrer an der Bergbauschule zu Bochum.

1899 war in Berlin die Schantung-Bergbau-Gesellschaft gegründet worden, die dann im Hinterland von Tsingtau Kohlenzechen bei Fangtse und Hungschan einrichtete. Der erste technische Direktor vor Ort in Tsingtau war von 1899 bis 1904 Dr. Hermann Michaelis, der das Direktions- und Wohngebäude am Kaiser-Wilhelm-Ufer, Ecke Bismarckstraße, errichtete. Sein Nachfolger wurde Brücher, der von 1904 bis 1914 die Leitung in Tsingtau übernahm.

Als Brücher nach Tsingtau kam, war er offensichtlich bereits verheiratet. Seine Frau Henriette Wilhelmine, geb. Hauck, war 26.11.1878 in St. Johann geboren worden. Da sie aus dem Saargebiet stammte, kann man davon ausgehen, dass Brücher sie kennenlernte, als er als Berginspektor im Saarrevier tätig war. Dem Paar wurden 3 Töchter und ein Sohn geboren. (Genauere Daten dazu am Schluss des Artikels.)

Lotti Kohls, geb. Kunze, die 1902 in Tsingtau geboren wurde, hat 1943 die Erinnerungen an ihre Jugendzeit in Tsingtau (1902-14) in anonymer Form veröffentlicht unter dem Titel: „Kordula Konrad. Tsingtaumädels Jugendweg.“ Tientsin 1943. Alle Personen, die sie erwähnt, haben damals tatsächlich dort gelebt, sie gibt den Familien zwar andere Namen, die aber so ähnlich sind, dass jeder Tsingtauer sofort weiß, wer gemeint ist. In Kapitel 2 schildert sie einen Besuch im Haus und bei der Familie ihrer Freundin Annelies Brückner. Dieser Name steht für Brücher! Die Namen der Kinder ändert sie nicht, sondern erwähnt aus-drücklich Annelies, Gustel, Hildegard und Max jun. Das Haus am Kaiser-Wilhelm-Ufer, in dem die Familie Brücher von 1904-14 wohnte, steht auch heute noch (gemeint ist das Jahr 2008).

Der Kohleabbau war für die Schantung-Bergbau-Gesellschaft nur zum Teil erfolgreich. Es gab auch mindestens 2 schwere Bergwerksunglücke mit Todesfällen. Die Kohle in Fangtse erwies sich als minderwertig und eignete sich eigentlich nur als Hausbrandkohle. Zum Glück besaß die Kohle des Hungschan Reviers eine sehr gute Qualität. Im Jahre 1912 besuchte Prinz Heinrich von Preußen, der Bruder Kaiser Wilhelms II., das Pachtgebiet. Ernst Grosse, damals Bezirksamtmann des Landgebietes, schildert in seinen „Ostasiatischen Erinnerungen“, München 1938, S. 114 eine Episode: „Der Prinz fuhr mit einem der Schiffe des Kreuzer-geschwaders zur Grabstätte der Iltis-Mannschaft am Schantung-Kap [ca. 190 km von Tsingtau entfernt]. Auf der Rückfahrt ließ er Volldampf aufmachen. Er wollte die Güte der Kohle prüfen, die von der deutschen Schantung-Bergbau-Gesellschaft übernommen waren. Der technische Direktor der Gesellschaft [Brücher] hatte ihm die Verwendbarkeit der Kohlen auf Kriegschiffen gerühmt. Der Prinz stieg in den Heizraum und stellte fest, dass die Kohlen die Roste verschlackten. In Tsingtau angekommen, befahl er den Direktor [Brücher] an Bord. Dieser soll keine Schmeicheleien zu hören bekommen haben. Der Prinz wollte auf dieses Erlebnis hin die Kohlenbergwerke im Inneren der Provinz Schantung besichtigen. Eines Morgens war er aus Tsingtau verschwunden. Er war mit dem technischen Direktor der Schantung-Eisenbahn-Gesellschaft [Peter Hildebrand] heimlich ins Innere gefahren.“

Die Schilderung von Ernst Grosse ist undurchsichtig und historisch z.T. nicht richtig. Aus dem (ungedruckten) Tagebuch des Prinzen Heinrich kann ich entnehmen, dass der Prinz am 15. und 16. Okt. 1912 zunächst nicht nur mit Hildebrand sondern auch mit Brücher das Kohlenbergwerk Hungshan (330 Bahnkilometer von Tsingtau entfernt) besichtigte. Erst hinterher fand dann am 17. Oktober die Schiffahrt zum Schantung Kap statt. Der Prinz notiert in seinem Tagebuch lediglich, dass das Schiff, die SMS „Gneisenau“, auf der Rückfahrt vom Iltis Friedhof eine 6stündige forcierte Fahrt ausführte, und dass Brücher dabei war, um sich über das Verhalten der Kohle zu orientieren. Mehr ist aus den Schilderungen von Grosse und Prinz Heinrich nicht zu entnehmen. Es bleibt völlig offen, ob es sich bei dem Test um die schlechte Fangzi oder die gute Hungshan Kohle gehandelt hat. Irgendwie ist man als heutiger Leser erstaunt, dass 10 Jahre nach Beginn des Kohleabbaus man noch nicht über die Eignung der Schantung Kohle für die damalige moderne Schiffahrt informiert gewesen sein soll!

 

Die Einkünfte der Bergbau-Gesellschaft waren im Laufe der Zeit so gering, dass ihr Vermögen 1913 an die gut florierende Schantung-Eisenbahn-Gesellschaft übertragen wurde. Eigentümlicherweise hatten beide Gesellschaften von Anfang (1899) an Karl Schmidt vor Ort in Tsingtau als gemeinsamen kaufmännischen Direktor. Das Grundkapital der Eisenbahn-gesellschaft wurde von 54 auf 60 Millionen Mark erhöht, 60000 Aktien zu je 1000 Mark. Ab 4.4.1913 firmierte die einst selbständige „Schantung-Bergbau-Gesellschaft“ unter dem Namen: „Bergbaudirektion der Schantung-Eisenbahn-Gesellschaft“. Brücher blieb der Leiter dieser Bergbaudirektion bis zum Kriegsausbruch im August 1914. Seine Familie schickte er daraufhin nach Hungshan, er selbst wollte bei der Verteidigung Tsingtaus mitwirken und meldete sich als Leutant d.R. zu den Pionieren. Warum er dann doch noch vor der Besetzung durch die Japaner die Stadt verließ, schildert Vollerthun in seinem Buch: „Der Kampf um Tsingtau“, S.86-87: „ Ein tragisches Schicksal ereilte den kaufmännischen Direktor der Schantung-Eisenbahngesellschaft, Karl Schmidt. Bis zum letzten Augenblick hatte er auf seinem Posten in Tsingtau ausgehalten, um dann mit einer der letzten Bootsgelegenheiten nach dem Innern zu gehen. Schmidt war langjähriger Ostasiate und glaubte die Japaner zu kennen. Er täuschte sich gründlich. Als er auf die Nachricht von der Besetzung der chinesischen Kreisstadt Kiautschou dorthin eilt, um mit dem japanischen Befehlshaber zu verhandeln, wird er samt den Betriebsbeamten, deren man habhaft werden konnte, einfach gefangen gesetzt. Kein besseres Los traf die Bergwerke in Fangtse und Hungschan. Die Gruben stellten natürlich rechtzeitig den Betrieb ein, und das Wasser tat das seine, um sie für lange Zeit unbrauchbar zu machen. Als die Japaner sahen, dass sie aus eigener Kraft wohl nicht Herr des Grubenbetriebes werden würden, boten sie alles auf, um mit List oder Gewalt sich der Person des Bergwerkdirektors Brücher zu bemächtigen. Nach der Verwaisung der Gesellschaft durch die Gefangennahme von Direktor Schmidt hielt das Gouvernement es aber für geboten, jenen freizugeben, damit er sich der Interessen seiner Gesellschaft annehmen könne.“ Brücher machte den waghalsigen Versuch, durch die inzwischen vollkommen gewordene Einschließungskette der Japaner durchzubrechen, was ihm auch gelang. Am 25.9.1914 verließ er Tsingtau über das Kap Jaeschke und das Perlgebirge und traf am 27.9. früh in Tschutscheng ein. Er wollte nach Fangtse, kam aber am 29.9. nur bis Ankiu, wo er hörte, dass die Japaner Fangtse bereits besetzt hatten. So musste er nach Tschutscheng zurückkehren. Er stellte fest, dass die chinesische Bevölkerung gegen ihn als Deutschen sehr unfreundlich war, denn die Japaner hatten eine Belohnung von 200.- $ für jeden verratenen Deutschen versprochen. Mit Unterstützung der Mission ging er am 1.10. von dort über Ishui quer durch das Gebirge nach Poschan, wo er sich einige Tage aufhielt. Am 7.10. brach er nach Tsinan auf, kam dort am 9.10. an. Seine Familie hatte schon längst Hungshan verlassen müssen und war nach Shanghai weitergezogen.  So begab er sich auch dorthin. Schließlich schickte er im Jahre 1916 seine Familie  nach Deutschland. Er nutzte die folgenden Jahre zu ausgedehnten Reisen im mittleren, westlichen und nördlichen China, das er bergbaulich und geologisch durchforschte. Die wissenschaftlichen Resultate dieser Tätigkeit publizierte er von 1922 bis 1924 in einer langen Artikelreihe in der Fachzeitschrift „Glückauf“. Als nach Kriegsende die Briten die Ausweisung der Deutschen aus China durchsetzten, wurde Brücher vom Gouverneur von Anhui als bergbaulicher Sachverständiger und Berater reklamiert und zurückgehalten. So konnte er bereits 1920 seine Familie nach Wuhu, Anhui, holen. Als der Gouverneur im Herbst 1921 starb, siedelte Brücher mit Familie nach Shanghai über. Dort wurde er für den Rhein-Elbe-Siemens-Schuckert-Konzern tätig. Im November 1924 kehrte er von einer längeren Geschäftsreise aus dem Norden erkältet nach Shanghai zurück und erlag nach kurzer Krankheit am 24. Nov. einer Lungenentzündung.

Die Witwe, Frau Wilhelmine („Minna“) Brücher kehrte daraufhin nach Tsingtau zurück, wo sie in der Haiyang Road 3 eine Pension einrichtete. Mit ihr nach Tsingtau gingen auch die älteste Tochter Anneliese und der Sohn Max. Im Jahre 1931 wurden Frau Brücher und die Tochter Anneliese von einem tollwütigen Hund gebissen. Während Anneliese überlebte, starb Frau Bruecher am 21.4.1931 an den Folgen des Bisses. Die Leiche wurde eingeäschert und es kam auf dem Tsingtauer Europäischen Friedhof zur Beisetzung von 4 Urnen: die von Dr. Max und Wilhelmine Brücher, sowie des Schwiegersohnes Dr. med. Martin Plog (+ Shanghai 1.7.1927) und des Enkelkindes Liselotte Waetcke (+ Shanghai 22.11.1928).

Das Paar Max und Wilhelmine Brücher hatte 4 Kinder:

1) Anneliese. Ging August 1914 mit der Mutter und den Geschwistern nach Shanghai, dann nach Deutschland, ab 1920 wieder in China. Sie kehrte 1924 mit ihrer Mutter nach Tsingtau zurück und arbeitete als Sekretärin für verschiedene Firmen, u.a. für Melchers & Co und als Vertreterin für den Verlag Max Nössler in Shanghai. Sie überlebte 1931 den Biss des tollwütigen Hundes. Nach dem Tode ihrer Mutter im April 1931 führte sie die Pension weiter, allerdings jetzt in der Laiyang Road 4, war aber gleichzeitig als Sekretärin bei Melchers & Co. beschäftigt. 1935 kehrte sie nach Deutschland zurück und ist 1944 verstorben.

2) Gustel. Sie heiratete nach 1921 den Arzt Dr.med. Martin Plog, der bis 1926 Arzt am Faberkrankenhaus in Tsingtau war, dann nach Shanghai ging. Plog wurde am 4.5.1893 in Schwerin geboren, machte 1914 das Abitur. War dann Kriegsteilnehmer und studierte anschließend Medizin in Jena, Rostock und Kiel, wo er am 13.5.1921 promovierte. Er verstarb bereits am 1.7.1927 in Shanghai.

3) Hilde. Sie heiratete nach 1921 in Shanghai H.M.Wilken Waetcke, Mitinhaber der Firma H.A.Westphal & Co. Herr Waetcke war schon vor 1914 in Shanghai tätig und hatte an der Verteidigung Tsingtaus teilgenommen, war deshalb von Nov. 1914 bis 1919 in japanischer Kriegsgefangenschaft gewesen. Die Tochter Liselotte starb am 22.11.1928 als Kleinkind.

4) Max jun., * 18.12.1910 in Tsingtau. Von August 1914 bis 1916 mit der Mutter und den Schwestern in Shanghai, dann in Deutschland. Kam 1920 mit der Mutter und den Schwestern zurück zum Vater in Wuhu, Anhui. Ab Herbst 1921 in Shanghai, wo er die Kaiser-Wilhelm-Schule besuchte. Nach dem Tod des Vaters ging er Ende 1924 mit der Mutter nach Tsingtau und besuchte die deutsche Schule bis 1926, bestand die Abschlussprüfung (Mittlere Reife). Ging dann nach Deutschland, legte 1929 das Abitur an der Oberrealschule in Bremen ab. Dann Studium der Volkswirtschaft, von 1929-30 an der Univ. Freiburg und von 1930-33 in Berlin. Seine Wohnung hatte er bei Schmidt-Imbrek in Potsdam, Kaiser-Wilhelm-Str. 20. Am 27. Januar 1933 legte er sein Examen als Diplomvolkswirt ab. War dann praktisch tätig, immatrikulierte sich 1934 aber wieder an der Universität Freiburg i.B. und promovierte am 26.1.1939 zum Dr.rer.pol. mit der Studie: „Schicksale der Unternehmerinitiative seit dem Ausbruch des Weltkrieges in Deutschland.“ (Freiburg 1938, 107 Seiten.)

Während des 2. Weltkrieges wurde Bruecher zum Militärdienst eingezogen und scheint u.a. beim Luftwaffenführungsstab eingesetzt worden zu sein. Anscheinend hatte er dort genügend Muße, ein Buch zu schreiben, mit dem Titel: „China und Japan. Gegensätze u.Gemeinsames.“ Es erschien 1941 in dem Leipziger Verlag Schwarzhäupter, hat 71 Seiten, und wurde von dem Luftwaffenführungsstab Ic/VIII herausgegeben.

Nach dem Krieg war Dr. Max Bruecher jun. bis zu seiner Pensionierung Manager in den verschiedensten Industriefirmen, z.T. als Mitinhaber. So wohnt er 1955 in Frankfurt/Main, Neue Mainzer Str. 40-42 und ist Teilhaber der Firma Deutimex & Bruecher oHG sowie Geschäftsführer der Rheinstahl Industrie Planung GmbH, Essen, Bismarckstr. 3. 1961 ist er nachweislich Geschäftsführer in Düsseldorf bei Coutinho, Caro & Co. 1962 ist er Vorstands-mitglied bei der Universum Film AG, Berlin, und der UFA Filmtheater AG, Düsseldorf.

Zum Schluss wohnte er in Freiburg i.B., Maximilianstr. 8. Im Jahre 1980 veröffentlichte er die Studie: „Freiburg im Breisgau 1945. Eine Dokumentation.

Max Bruecher hatte offensichtlich gute Beziehungen zu der Familie des 1929 verstorbenen Prinzen Heinrich von Preußen, dem Bruder Kaiser Wilhelms II.  In den 1970iger Jahren konnte Max von den handgeschriebenen Tagebüchern des Prinzen einige Bände ausleihen und von bestimmten Partien eine maschinenschriftliche Abschrift anfertigen. Es ist mir nicht bekannt, wo sich heute diese Abschriften befinden. Die Original Tagebücher des Prinzen Heinrich sind jetzt in der Bibliothek des Internationalen Maritimen Museums in Hamburg (Peter Tamm Stiftung).

Am 11.1.1986 ist Bruecher in Freiburg verstorben.

War verheiratet mit Ruth Bassermann. Aus dieser Ehe die Tochter Alexa. Sie heiratete Michel Kramer, das Paar hat 2 Söhne: Olivier und Patrick.

Max Bruecher jun. legte Wert darauf, seinen Familiennamen nicht als Brücher sondern als Bruecher zu schreiben.

Bracklo, Dr.jur. Enno (1886 – 1963), Konsul

Dr. jur. Enno Bracklo was born in Soest 17.05.1886 and died in Munich-Gruenwald on 18.07.1963. 

He came to Shanghai in 1909 and got a training as interpreter, therefore he could speak and read Chinese. On 30.12.1931 he was appointed consul for Qingdao, where he arrived 29.03.1932.  In 1933 he married, 2 sons were born in Qingdao. He left the town 15.07. 1938 and was appointed general consul in Hankou, but his wife and the 2 sons stayed in Qingdao until July 1940.  Bracklo and his family returned to Germany in 1947.

 

Meyer-Waldeck, Alfred (1864 – 1928), Gouverneur

 

 

Born in St. Petersburg, Russia, 27. Nov. 1864 as Alfred Meyer, as the 8th child among 10 children.  Died in Bad Kissingen 25.8.1928, buried in Heidelberg.  His father: Friedrich Meyer, his mother: Dorothea von Boursy. The father was professor for German literature and editor of the newspaper: “Deutsche Zeitung” in St. Petersburg. The family moved to Heidelberg in 1874, where the father was professor at the university. (As author the father called himself Meyer von Waldeck.)  Alfred attended the gymnasium in Bonn and Heidelberg, and finished school with the abitur in 1883. Studied two semester at the university of Heidelberg, but then entered the navy as midshipman (Kadett) in 1884.  Two voyages to Westindia. Sub-lieutenant (Leutnant z.S.) in 1887, Lieutenant (Oberleutnant z.S.) in 1890. Since autumn 1893 he worked for 2 years for the Supreme Command of the Navy.  Lieutenant-commander (Kapitänleutnant) in 1897, he attended the Navy Academy from 1897-99. From 1899-1901 on board of the small cruiser “Geier” as first officer, at the beginning the warship was on the west coast of America, but when the Boxer Rebellion startet, the boat was sent to China, where it arrived in Yantai (Chefoo) on August 29th,1900. In October the boat was in Tsingtau, went on Oct.28 to Shanghai, where it stayed until February 1901. From 5th until 29th  April the ship was again in Tsingtau.       From autumn 1901 until 1905 Alfred Meyer  was in the admirality staff of the navy in Berlin. In 1903 he had changed his name to Meyer-Waldeck and had been promoted to Korvettenkapitän.  For 6 months in 1905 he was first officer on the warship „Wettin“, but from autumn 1905 until summer 1908 he was member of the admirality staff of the first navy squadron on board the warship “Wittelsbach”.  He became commander (Fregattenkapitän) in 1907 and Kapitän z.S.  on 27.1.1909.  On 24.6.1908 he was appointed chief of staff for Tsingtau, where he arrived on 24.12.1908. During this term of office he was also deputy-governor of Jiaozhou Leased Territory from 6.4.1909 until 2.4.1910, during which time governor Truppel was in Germany. Meyer-Waldeck returned to Germany on 22.2.1911 by train via Siberia, but a few months later was appointed governor for Tsingtau as successor to governor Truppel, who left on 14.5.1911.  Meyer-Waldeck arrived in Tsingtau on 22.11.1911. In the period from May to November 1911 the chief of staff, captain Wilhelm Höpfner, had served as substitute governor. When Japan declared war on Germany on August 23rd,1914, Meyer-Waldeck organised the defense during the Japanese siege. On November 7th the Japanese troops occupied the city and Meyer-Waldeck was brought to Japan as prisoner of war, where he stayed until 1920. On 22.3.1915 he became rear-admiral, on 27.1.1918 vice-admiral.  In May 1920 he returned on the “Nankai Maru” to Germany. He was pensioned on 31.8.1920. From 1920 until 1928 he lived in Berlin, but because of ill health in summer 1928 he visited the spa Bad Kissingen, where he died. He was buried in Heidelberg in the family grave.

     On 11.10. 1898 he married in Kiel Johanna Ney. She was born 31.12.1880 in Spandau and died 20.08.1964. The couple had one son Hans  (born in Charlottenburg 23.7.1902, died 1965)   and 2 daughters: Hertha (born 1906, died 1919) and Dr.med. Dagmar (born 25.6.1908 in Kiel, died 2005).  His son Hans Meyer-Waldeck was married and had one son, Klaus Meyer-Waldeck, and one daughter Irina Straub-Meyer-Waldeck. –  Dagmar was first married to Dr. med. Hans Storz, with whom she had four children (Sybille, Andreas, Johannes and Sebastian Storz). After the divorce in 1960 she married Kurt Frowein.

Sources: Eberhard von Mantey in: Deutsches Biographisches Jahrbuch, Bd.X: Das Jahr 1928.   Stuttgart 1931, S. 172-176.

Kiautschou-Post, 2. Halbband 1911, S. 378 (vom 26.11.1911).

 

 

 

 

Truppel, Oskar (1854 – 1931), Gouverneur

Geboren in Katzhütte/Thüringen am 17.5.1854 als Sohn des Pfarrers Johann Christian Truppel und Bertha Schwartz (gest. 1860). Später war der Vater Pfarrer in Eichfeld bei Rudolstadt (gest. 1860). Besuch des Gymnasiums in Rudolstadt.

Trat am 31.5.1871 als Fähnrich in die Marine ein. Ernennung zum Unterleutnant im Jahr 1874. Zwischen 1871 und 1886 ständig wechselnde Verwendungen an Land und an Bord.

Er nahm an folgenden Fahrten teil:

  • 1871-74 Westindien, Nordamerika, Mittelmeer.
  • 1876-78 Westindien, Mittel- und Nord-Amerika.
  • 1879-80 Istanbul und Türkei.
  • 1883-86 Reise um den Globus.
  • 1894 Oktober bis Dez. 1897 im Oberkommando der Kriegsmarine in Berlin.

Am 1.7.1897 war er zum Korvettenkapitän ernannt worden. Im Dez. 1897 wurde er zum Kommandanten des kleinen Kreuzers SMS „Prinzeß Wilhelm“ ernannt, der sich zu dieser Zeit in Tsingtau befand. Truppel verließ Wilhelmshaven in Begleitung des III. Seebataillons auf dem Truppentransporter „Darmstadt“, der Ende Januar 1898 in Tsingtau eintraf. Bevor er dort sein Kriegsschiff „Prinzeß Wilhelm“ besteigen konnte, mußte er vom 11. Februar bis 15. April 1898 als Kommandant des Pachtgebiets Jiaozhou dienen. An diesem Tag traf der erste Gouverneur, Carl Rosendahl, in Tsingtau ein. Von April 1898 bis Juli 1899 war Truppel Kommandant des kleinen Kreuzers „Prinzeß Wilhelm“ in Ostasien. Am 22.3.1899 war er zum Kapitän ernannt worden. Von Juli 1899 bis April 1901 war er in Berlin, Chef der Militärabteilung im Marineministerium. Durch den Tod von Gouverneur Jaeschke am 27.1.1901 wurde Truppel am 20.2.1901 zum dritten Gouverneur in Tsingtau ernannt. Er traf dort am 7. Juni 1901 ein und war bis zum 14. Mai 1911 Gouverneur. Während dieser Zeit wurde sein Rang stetig erhöht: am 3.4.1905 wurde er Konteradmiral, am 17.9.1907 Vizeadmiral, am 27.1.1911 Admiral. Truppel verließ schließlich am 14.5.1911 an Bord des Kriegsschiffes SMS „Gneisenau“. Am 19.8.1911 wurde er pensioniert und am selben Tag zum Ritter geschlagen, so dass sein Familienname nun „von Truppel“ lautete. Er lebte mit seiner Familie in Berlin-Frohnau, wo er am 20.8.1931 starb.

Truppel hatte am 13.5.1891 in Bremen Anna Müller-Sauvalle, Tochter von G.H.Müller, Bremen-Habana und Léonie Sauvalle, Habana, geheiratet. Anna wurde am 11.1.1868 in Bremen geboren. Das Paar hatte 2 Söhne und eine Tochter. Der älteste Sohn Heinrich starb, als er erst 13 Jahre alt war.


Born in Katzhütte/Thuringia 17.5.1854 as son of  pastor Johann Christian Truppel and Bertha Schwartz (died 1860).  Later the father was pastor in Eichfeld near  Rudolstadt (died 1860).  Visited gymnasium in Rudolstadt.

Entered the navy as midshipman on 31.5.1871.  Appointed as sub-lieutenant in 1874. Between 1871 and 1886 steadily changing appointments on land and on board. He attended the following voyages: 1871-74  Westindia, Northamerica, Mediterranean. 1876-78 Westindia, Central- and North-America. 1879-80 Istanbul and Turkey. 1883-86 voyage around the globe. From October 1894 until Dec. 1897  in the Supreme Command of the navy in Berlin. On 1.7.1897 he had been appointed Korvettenkapitän. In Dec. 1897 appointed commander of the small cruiser SMS “Prinzeß Wilhelm”, which at that time was in Tsingtau. Truppel left Wilhelmshaven by escorting the III. Seabattalion on the troop-transporter “Darmstadt”, which arrived in Tsingtau at the end of January 1898. Before he could board there his warship “Prinzeß Wilhelm”, he had to serve as commanding officer of Jiaozhou Leased Territory from February 11th to April 15th, 1898. On that day the first governor, Carl Rosendahl, arrived in Tsingtau. From April 1898 until July 1899 Truppel was commander of the small cruiser “Prinzeß Wilhelm” in East Asia. On 22.3.1899 he had been appointed captain. From July 1899 until April 1901 he was in Berlin, chief of the military department in the naval ministry. Because  of governor Jaeschke’s death on 27.1.1901, Truppel was designated on 20.2.1901 as the third governor in Tsingtau. He arrived there on June 7th,1901 and was governor until May 14th,1911.  During that period his rank was steadily raised: on 3.4.1905 he became rear-admiral, on 17.9.1907 vice-admiral, on 27.1.1911 admiral. Truppel left finally on 14.5.1911 on board the warship SMS “Gneisenau”. On 19.8.1911 he was pensioned and on the same day was knighted, so that his family name now was “von Truppel”. He lived with his family in Berlin-Frohnau, where he died on 20.8.1931.

Truppel had married in Bremen on 13.5.1891 Anna Müller-Sauvalle, daughter of G.H.Müller, Bremen-Habana und Léonie Sauvalle, Habana. Anna was born in Bremen 11.1.1868. The couple had 2 sons and one daughter. The eldest son Heinrich died, when he was only 13 years old.

 

Jaeschke, Paul (1851 – 1901), Gouverneur

Paul Jaeschke

Born 4. Aug. 1851 in Breslau as son of the banquier Otto Jaeschke. Died Tsingtau 27. Jan. 1901. Visited gymnasium only to the 10th class (Einjährigen Prüfung).

Entered the navy as midshipman (Kadett) in April 1868.  With the schoolship “Niobe” from July 1868 until June 1869 to the African islands and Westindia.  Sub-lieutenant in 1872 (Leutnant z.See). From 1872 until 1881 steadily changing appointments to command on land and on board.  Was during that time in different regions, also Westindia. Lieutenant-commander (Kapitänleutnant) in 1881.  In 1881 he became referee on the torpedo trials. From 1886-88 he was in East Asia as commander of the canon-boat SMS “Wolf”. Became Korvettenkapitän in 1888. From 1888-92 in Kiel as commander of the torpedo-department.  From 1892-95 in Berlin in the naval ministry as chief of the central department. Captain  (Kapitän z.See) in 1894. In April 1895 appointed commander of the heavy cruiser “Kaiser” and brought the ship from Germany to East Asia. In the spring of 1896 he visited Jiaozhou Bay. In May 1896 he was called back to Berlin as chief of the foreign department in the Supreme Command of the navy. On October 10th, 1898 he was appointed the second governor of Jiaozhou Leased Territory, but arrived in Tsingtau only on Febr. 18th,1899.

    In 1875 Jaeschke was on board of SMS “Augusta” in Westindia, also visited the island St. Thomas, were he became engaged with Helenita von Lindemann on 2.12.1875. She was the niece of the German consul Wantzelius in St. Thomas. The marriage took place on 29.1.1879.

The couple had one son (Hans) and one daughter (Editha). Mrs. Helenita Jaeschke had been born in Lima on 12.11.1859 and died in Hamburg 16.7.1893.

      On March 24th,1900 Jaeschke married in Hongkong his second wife: Helene Wollny. On January 27 th, 1901 Jaeschke died from typhus. He was buried in the European cemetery of Tsingtau. In his honour Cape Evelyn, on the south side of the entrance to Jiaozhou Bay, was renamed Cape Jaeschke.

 

 

 

 

 

 

Rosendahl, Carl (1852 – 1917), Gouverneur

Born 2. Sept. 1852 in Kopenhagen, his father Karl Rosendahl was clerk in the finance ministry of Denmark. His mother was Ida Paulsen. Entered the German navy as midshipman in 1869, became sub-lieutenant in 1873, lieutenant in 1876, lieutenant-commander in 1883, Korvettenkapitän on 15.4.1890. He was commander of the II. Torpedodepartment from May 1891 until Sept. 1894. Commander of  the coast-armoured-ship SMS “Hagen” from Oct. 1894 until Sept. 1895, of SMS “Friedrich Carl” from Sept. 1895 until January 1898. During that period he was appointed captain in 1896. Was then appointed as the first governor of Jiaozhou Leased Territory and arrived in Tsingtau, together with his wife and small daughter, on April 15 th,1898. But Tirpitz was dissatisfied with Rosendahl’s handling of his task in Tsingtau, so already on October 10th, 1898 Tirpitz appointed captain Paul Jaeschke as new governor. But Rosendahl had to stay in Tsingtau until February 1899, because Jaeschke arrived there only on Febr. 18th, 1899. In February 1899 Rosendahl returned to Germany and again became commander of a warship, this time it was the battleship (Linienschiff) “Brandenburg”. He started his command in Sept. 1899. When the Boxer Rebellion started in China, the German government sent in July 1900 several warships from Germany to China, among them also the SMS “Brandenburg”. Therefore Rosendahl came back to China in 1900-01, also visited Tsingtau with his ship. For instance he was in Tsingtau on April 8 th 1901 and attended the inauguration ceremony for the opening of the railway line from Tsingtau to the city of Jiaozhou. In August 1901 he was again here, but only for one day to say “Good bye”, and then returned to Germany, where he arrived in September 1901. There he was pensioned on     January 11 th,1902 with the title of rear-admiral. In February 1904 the construction of the railway line from Tsingtau to Tsinan was finished. On February 23 rd 1904 the first train from Tsingtau reached Tsinan, the locomotive had the name “Rosendahl”. – He died in Trient on August 11th,1917.

 

 

 

 

 

 

 

Neukamp, Hermann (1927 – 1987) und seine Tsingtau-Sammlung

Hermann Neukamp wurde am 15.12.1927 in Harbin geboren als Sohn des österreichischen Zahnarztes Anton Neukamp und der Alexandra Neukamp, geb. Kowal. Die Mutter, eine Russin, war auch bereits in Harbin geboren. Als die Japaner 1931 die Mandschurei besetzt hatten, siedelte die Familie 1932 nach Tsingtau über.

Von 1933 bis 1937 besuchte Hermann, zusammen mit seiner älteren Schwester Larissa, die Grundschule des Heilig-Geist-Klosters. 1937 wechselten die beiden dann zur deutschen Schule. Den Besuch dort beendete er 1943 mit der Einjährigen-Abschlussprüfung. Er ging dann nach Tientsin, weil dort die Klasse von 1943 bis zum Abitur geführt werden sollte. Zu dem für 1946 geplanten Abitur kam es nicht mehr, weil Hermann 1945 wegen des Kriegsendes nach Tsingtau zurückkehren musste. Dort wurde die deutsche Schule im Juni 1946 endgültig geschlossen, und in das Gebäude zog nun die American High School ein. Herman besuchte dort 1946/47 die letzte Klasse dieser Schule und kam so wenigstens zu einem Highschool Abschluss.

Anschließend unterrichtete er dann selbst an dieser Schule u.a. Mathematik und Physik. Wegen des immer stärker werdenden Heranrückens der Kommunisten setzte er sich im Frühjahr 1949 nach Shanghai ab, erlebte aber im Mai ihren Einmarsch dort. Als die BRD 1950 ein Schiff charterte, um die restlichen Chinadeutschen nach Hause zu bringen, fuhr Hermann mit. In Ludwigsburg fand er aufgrund seiner Englischkenntnisse eine Anstellung beim amerikanischen Militär als Verwalter der von ihnen bewirtschafteten Immobilien. Hier heiratete er und 1957 wurde die Tochter Kirsten geboren. Januar 1960 kam dann der Wechsel nach München in eine Export-Import Firma. Die Ehe wurde 1963 geschieden und in der Firma lernte er seine zweite Frau Edith kennen (Heirat 1965).  1971 zogen die beiden nach Neufahrn, wo sie ein Haus gekauft hatten.

Wie kam Hermann auf die Idee, in den letzten 10 Jahren seines Lebens sich so intensiv der Geschichte der Tsingtaudeutschen zu widmen? Von seinen Eltern, die 1954 nach Österreich zurückgekehrt waren, hatte er viele Fotos aus Tsingtau geerbt. Im Jahre 1976 fasste er den Plan, diese für seine Tochter in Fotoalben zu kleben und mit erklärendem Text zu versehen. Literatur über Tsingtau besaß er nicht. So fing er an, ehemalige  Schulkameraden anzuschreiben und zu fragen, ob sie einen Stadtplan oder Tsingtau-Führer aus früherer Zeit besäßen. Das war der Fall. Er lieh sich diese aus, kopierte alles und schickte die Originale wieder an die Eigentümer zurück. Dies brachte ihn irgendwie auf den Geschmack. Im Frühjahr 1977 fasste er den Beschluss, ein Tsingtau-Informationsblatt herauszugeben. Die Anregung dazu erhielt er durch den von Pfarrer Wolfgang Müller jährlich herausgegebenen Rundbrief, der stets aktuelle Informationen über Tientsin- und Chinadeutsche enthielt.

Hermann kannte Pfarrer Müller, den er 1943-45 als Lehrer an der Schule in Tientsin gehabt hatte. Aus diesem Grunde erhielt er auch stets den Tientsiner Jahresbericht. Von Dez. 1977 bis Dez. 1986 sind dann, unter dem Namen „Das Deutsche Eck“, 12 Ausgaben dieser Berichtsserie erschienen. Von Ausgabe zu Ausgabe wurde der Umfang größer. Hatte das erste Heft 6 Seiten, gab es bald Editionen mit 24, dann mit 34 Seiten. Der gesamte Text wurde von ihm mit der Schreibmaschine geschrieben. Die ersten Ausgaben wurden noch auf eine Matritze getippt und jedes Blatt mußte abgezogen werden, später gab es dann schon Xerokopierer, was die Vervielfältigung vereinfachte.

Eine andere erstaunliche Leistung war das Auffinden der Adressen ehemaliger Tsingtauer und anderer, die sich für Tsingtau interessierten. 1977 startete Hermann eine umfangreiche Suchaktion, versandte unzählige Anfragen, so dass er zum Schluss 600-700 Adressen hatte, an die er – kostenlos – die Exemplare des „Deutschen Ecks“ versandte. Natürlich haben viele Empfänger  Kosten durch Überweisung auf ein Konto erstattet. Es bleibt aber ein Rätsel, wie er diese Arbeitslast bewältigt hat, z.B. eine einzige Edition (34 Seiten) an 600 Empfänger zu versenden. – Da diese merkten, dass Hermann seine Sammeltätigkeit aus purem Idealismus heraus tätigte, ohne jegliche kommerzielle Interessen, wurden immer mehr originale Bücher, Briefe, Fotos, Biographien u.a. seiner Sammlung gestiftet.

Hermann Neukamp war ein starker Raucher. Leider ist er viel zu früh am 18.02.1987 an Lungenkrebs gestorben. Die Witwe, Frau Edith Neukamp, hat die Sammlung kostenlos der Handschriftenabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek gestiftet. Eine Bedingung war, um die Ganzheit der Sammlung zu bewahren, dass auch die Bücher übernommen wurden. Normalerweise übernimmt eine Handschriftenabteilung keine gedruckten Bücher. Inzwischen gibt es ein gutes Register zu der Sammlung mit der Signatur Ana 517, die jeder im Lesesaal einsehen kann.

Solf, Hermann (1860 – 1926), Leiter der Kajenverwaltung

Solf, Hermann, geboren 1860 in Köln-Dellbrück, schlug die Zahlmeisterlaufbahn des Reichsmarineamtes ein. War u.a. ein Jahr in Daressalam in Deutsch Ostafrika, war aber dem Klima dort nicht gewachsen. Gleich nach der Besitzergreifung des Kiautschougebietes kam er nach Tsingtau als Leiter der Gouvernementskasse.  1902 wechselt er von der Kasse zur Abteilung „Rechnungswesen und Garnisonsverwaltung“ als Geheimer expedierender Sekretär und Kalkulator. Heiratet in Tsingtau Anna Margarethe Elisabeth Marcks, 32 Jahre alt, die evangel. kirchliche Trauung fand am 14.5.1902 statt, Solf selbst war kathol. Aus dieser Ehe 2 Töchter. 1903 kehrte er nach Deutschland zurück. Als in Tsingtau im Nov. 1908 durch das Gouvernement die Kajenverwaltung eingerichtet wurde, rief man Solf  zurück und betreute ihn mit deren Leitung, die er bis Nov. 1914 als Rechnungsrat innehatte. Nach der Besetzung durch die Japaner blieb er als Privatmann noch bis Herbst 1915 in Tsingtau, ging dann zu seiner Familie und verbrachte mit ihnen die Kriegsjahre in Hankou und Shanghai. Im März 1919 mußte er, wie fast alle Shanghaideutschen,  mit Familie auf dem Dampfer Nora nach Deutschland zurückkehren. Er lebte im Ruhestand in Köln-Dellbrück, wo er am 21. März 1926 nach kurzer Krankheit an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben ist.  (Quelle: Ostasiat. Rundschau 1926, S. 75-76;  Evangel. KB Tsingtau)  

 

Michaelis, Hermann (1836 – 1920), Bergwerksdirektor

             Hermann Michaelis wurde am 9.10.1836 in Salzwedel geboren als Sohn des Lohgerbers und Bürgers der Altstadt J.C. Wilhelm Michaelis und der Marie Köthke. Sein ältester Bruder übernahm den väterlichen Betrieb, deswegen musste er einen anderen Beruf ergreifen. Über seinen Lebenslauf liegen nur ganz wenige Daten vor. Auf jeden Fall ließ er sich zum Ingenieur ausbilden, vielleicht mit dem Schwerpunkt Bergbauwissenschaft und Geologie.

Dem scheint zu widersprechen, dass er 1872 der technische Direktor des in demselben Jahre von einer Aktiengesellschaft gegründeten Braunschweiger Walzwerkes wurde. Der Firma war kein Erfolg beschieden, im März 1875 ging sie bereits in Liquidation.

Im Jahre 1878 kam Bernhard Telge, der in China als Import-Export-Kaufmann tätig war, auf einen Urlaub nach Deutschland und hatte u.a. den Plan, in China nach Kohle und Boden-schätzen recherchieren zu lassen. Offensichtlich kam Telge auch im Auftrag des General-gouverneurs der Provinzen Schaanxi und Gansu, Tse Tsung Dang, der wohl einen dies-bezüglichen Ingenieur gewünscht hatte. Auf jeden Fall gewann B.Telge den Hermann Michaelis, dieser war immerhin bereits 42 Jahre alt, für diese Tätigkeit. Es liegt eine Kopie des mehrseitigen Vertrags vor, den B.Telge und H.Michaelis am 25.9.1878 in Hamburg unterschrieben. Da es sich m.E. um ein interessantes Zeitdokument handelt, soll der volle Wortlaut hier gebracht werden, obwohl die Handschrift sehr schwer zu lesen war.

Vertrag vom 25.9.1878

 Zwischen Herrn B. Telge in Hamburg und Shanghai einerseits und Herrn H. Michaelis aus Salzwedel andererseits ist am heutigen Tage nachstehende Vereinbarung getroffen worden.

                                                          § 1

Herr Michaelis verpflichtet sich, im Auftrage und für Rechnung des Herrn Telge von Deutschland nach Shanghai und von dort mit einem mit den dortigen Sitten und Gebräuchen bekannten und vertrauten Geschäftsbevollmächtigten des Herrn Telge nach der Provinz Kangsuh (Gansu) (Hauptstadt Lantschau = Lanzhou) zu reisen und für etwaige Reisen von da nach anderen nördlichen Provinzen Chinas nicht ausgeschlossen.

                                                          § 2

Herr Michaelis soll daselbst seine Thätigkeit dem Berg und Hüttenfach widmen und die zur Ausführung und Ausbeutung etwa vorhandener Bergwerkproducte nöthigen Arbeiten vornehmen, das Abbohren gefundener Flötze leiten, geognostische Karten entwerfen, Analysen der gefundenen Producte machen und falls vorhandene oder neu anzulegende Bergwerke ausgebeutet werden sollen, die nöthigen Angaben über Maschinen Beschaffung in so eingehender Weise nach hier übermitteln, daß danach die betreffenden Bestellungen ausgeführt werden können. Sollte sich außer im Berg und Hüttenfach noch an anderen industriellen Unternehmungen Gelegenheit finden die Kenntnisse des Herrn Michaelis zu verwerthen, so soll derselbe diesen Unternehmungen mit seinem Rath zur Seite stehen und die etwa nöthigen Vorarbeiten machen.

                                                          § 3  

Herr Michaelis verpflichtet sich, seine ganze Thätigkeit im Interesse des Herrn Telge zu verwerthen und Niemand außer an diesen Kenntniß von den in China gemachten Geschäften zu geben, die etwa dort gemachten Entdeckungen, geognostische Karten oder Mittheilungen über den Zustand des Landes nur mit Einwilligung des Herrn Telge dritten Personen mitzutheilen oder zu veröffentlichen. Alle etwa zu bestellenden Maschinen und Apparate werden ausschließlich durch Herrn Telge beschafft, und hat Herr Michaelis die ihm etwa bekannten oder bekannt werdenden Zeichnungen und Bezugsquellen durchaus geheim zu halten, Herrn Telge oder dessen Vertreter aber alle Auskunft zu ertheilen. Es soll dem Herrn Michaelis nur mit directer Zustimmung des Herrn Telge gestattet sein, Privatgeschäfte zu betreiben, jedoch wird Herr Telge, insoweit seine  Interessen nicht geschädigt werden, dem Herrn Michaelis gestatten, wissenschaftliche Forschungen in China zu machen.

                                                           § 4

                     Dieser Vertrag soll zunächst auf ein Jahr, vom Tage der Abreise hier gerechnet, abgeschlossen werden, findet sich jedoch in China ein Feld der Thätigkeit für Herrn Michaelis, so soll auf Verlangen des Herrn Telge oder dessen Bevollmächtigten der Vertrag je  nach Wunsch des Herrn Telge bis auf fernere drei Jahre verlängert werden. Herrn Telge bleibt es überlassen, diesen Vertrag auf den Vicekönig Tse Tsung Dang oder die chinesische Regierung zu übertragen, falls dieselben Herrn Michaelis die gleichen oder günstigere Bedingungen erstellen und dieselben Sicherheiten bieten. Herr Telge wird dann nach besten Kräften bemüht sein, die Interessen des Herrn Michaelis wahrzunehmen und soll es demselben zustehen, seine Forderungen in Betreff des Gehalts zu stellen. Es wird in diesem Falle der Vertrag vor dem deutschen Generalkonsul durch Vollmacht verificiert und ist dann Herr Telge seinen Verbindlichkeiten informel überhoben, als es Herrn Michaelis nur für alle Fälle die Kosten der Rückreise vorzustrecken guarantiert, falls Herr Michaelis dieses wünschen sollte. Für etwaige sonstige Forderungen, die Herr Michaelis an die chinesische Regierung haben sollte, kommt er aber nicht auf. 

                                                     § 5

Herr Michaelis erhält von Herrn Telge bei …?.  Erfüllung der eingegangenen Verpflichtungen einen Jahresgehalt von M 16000.- (Sechzehn Tausend Mark) und zwar wird dieses Gehalt dem Herrn Michaelis auch dann zugesichert, wenn durch irgendwelche Verhältnisse ohne Verschulden Herrn Michaelis dessen Rückkehr nach hier früher als vorm Ablauf eines Jahres erfolgen sollte. Erfolgt die Rückreise nach hier später als nach Ablauf eines Jahres vom Tage der Abreise von hier gerechnet, so vergütet Herr Telge das angefangene Vierteljahr voll. Das Gehalt wird praesumerande gezahlt und zwar erhält Herr Michaelis bei Abreise von hier M 8000.- und dann …?. bei Erfüllung des Contracts seitens Herrn Michaelis entweder von dem Geschäft des Herrn B. Telge in Shanghai oder auf dessen Anweisung in Europa. Außerdem erhält Herr Michaelis freie Auslage von hier nach Shanghai mit einem englischen Dampfer I Cajüte und von Shanghai nach der Provinz Kangsuh (Gansu) mit der besten Reisegelegenheit. Ebenso zahlt Herr Telge die Kosten der Rückreise von China bis hierher, sowie alle im Inneren von China im Interesse des Geschäfts gemachten Reisen, erstere jedoch nur, wenn der Contract nicht auf den Vicekönig Tse Tsung Dang oder die chinesische Regierung übertragen wird. Die Dauer des Engagements wird vom Tage der Ausreise hier bis zum Tage des Wiedereintreffens hier gerechnet. Etwaiger freiwilliger Aufenthalt auf der Rückreise wird nicht vergütet und ist ein freiwilliger Aufenthalt auf der Hinreise nicht gestattet.
          Bei seinem Aufenthalt in China hat Herr Michaelis Anspruch auf freie Wohnung und erhält freie Verpflegung, soweit diese den Landesverhältnissen entsprechend zu beschaffen geht. Alle an Herrn Michaelis für seine persönlichen Bedürfnisse etwa von Shanghai nach dem Inneren bezogenen Sendungen werden demselben kostenfrei bis Lantschau (Lanzhou) oder seinem sonstigen Aufenthaltsort besorgt.

                                                              § 6

Nach Ablauf dieses Vertrages oder des etwa mit dem Vicekönig Tse Tsung Dang oder der chinesischen Regierung geschlossenen Vertrages soll Herr Michaelis, ..?.. ob er früher zurückkehrt oder in China verbleibt, während dem Jahre verpflichtet sein, seine in China gemachten Erfahrungen oder angeknüpften Geschäftsverbindungen ausschließlich nur im Interesse des Herrn Telge zu verwerthen, niemals selbst oder durch Andere in oder nach China zu betreiben, welche dem Herrn Telge Konkurrenz machen könnten, vielmehr gehalten sein, auch dann noch Geschäfte von oder nach China nur durch Vermittlung des Herrn Telge zu unternehmen.

So geschehen zu Hamburg und in derselb ausgefertigt und unterschriftlich vollzogen am 25. September 1878.

              H. Michaelis                                      B.Telge

 Der Hamburger Notar Dr. G. Bartels attestiert, Zeuge des Unterschreibens des Vertrages durch die 2 Partner gewesen zu sein. Er nennt ihre Namen:

„Herr Carl Bernhard Hermann Telge, alleiniger Inhaber des hieselbst und in Shanghai unter der Firma B. Telge comercilierenden Handlungs Hauses, und Herr Hermann Michaelis, Ingenieur aus Salzwedel, zur Zeit hieselbst anwesend, ….

Michaelis hat dann 1888 über seinen Aufenthalt in China 1879 bis 1881 ein Buch veröffentlicht mit dem Titel: “Von Hankau nach Sutschau”, es erschien als Ergänzungsheft Nr. 91 zu Petermanns Mitteilungen, im Justus Perthes Verlag in Gotha. Bei dem Ort “Sutschau” handelt es sich nicht um das berühmte Sutschou (Suzhou) in der Provinz Jiangsu, westlich von Shanghai, sondern um die westlichste Stadt in der Provinz Gansu, an der Seidenstraße gelegen, die heute den Namen Jiayuguan hat. Der Text des Buches (58 Seiten) enthält eine Beschreibung all seiner Beobachtungen längs der Route, der er vom 1. Januar bis April 1879 gefolgt ist. Am 1.1.1879 fuhr er mit dem Schiff von Shanghai bis Hankou, von dort dann mit dem Schiff den Han-Fluss aufwärts durch die Provinz Hubei, querte den Qin Ling Shan, kam ins Wei Tal nach Xi’an, von dort über das Loess Plateau nach Lanzhou am Gelben Fluss. Dann auf der Seidenstrasse weiter nach Jiayuguan, wo er mit dem Generalgouverneur Tse Tsung Dang zusammentraf. Von diesem wurde er angestellt, die Route, die Michaelis von Hankou bis Sutschou (Jiayuguan) zurückgelegt hatte, es waren rund 3500 km, im Maßstab 1:100000 zu vermessen bezüglich der Straßen, der Flussübergänge und Brücken und lohnenswerter Bodenschätze. In den Jahren 1879 bis 1881 hat Ingenieur Michaelis diese Aufgabe ausgeführt. Im Jahre 1888 erschien dann das oben bereits genannte Buch mit der kartographischen Darstellung dieser Route, aufgeteilt auf 3 Karten, mit der Reduktion des Original-Maßstabes 1:100000 auf 1:1 Million.  In dem Buch wird der Name des Generalgouverneurs so geschrieben: Zo Zung Tang.

Als das Deutsche Reich am 6.3.1898 das Kiautschou-Gebiet pachtete, war in dem Vertrag auch vorgesehen, dass die Deutschen von Tsingtau bis zur Provinzhauptstadt Tsinanfu eine Bahn bauen durften, und in einer Zone von 15 km rechts und links der Eisenbahnlinie wurden ihnen Schürfrechte zugestanden. Dementsprechend wurde im Jahre 1899 sowohl die Schantung-Eisenbahn- als auch die Schantung-Bergbau-Gesellschaft gegründet. Die Letztere gewann Hermann Michaelis als Bergwerksdirektor vor Ort, der seinen Arbeits- und Wohnsitz 1899 in Tsingtau aufschlug. Er wohnte zunächst im Westflügel des sog. Anzerhauses, das die kathol. Steyler Missionsgesellschaft 1899 als Miethaus errichtet hatte (in der Hunan Straße). 1900 ließ er dann am Kaiser-Wilhelm-Ufer, an der Ecke zur Bismarckstraße, das Direktionshaus der Bergbau-Gesellschaft bauen. Beide Gebäude stehen auch heute noch. Sein Nachfolger in Tsingtau war Dr. Max Brücher (siehe unter “Biographien”).

Als im Oktober 1902 der erste Schacht in Fangtse abgeteuft wurde, erhielt Michaelis vom deutschen Kaiser den Königlichen Kronenorden 3. Klasse.

Im April 1904 beendete Michaelis seine Tätigkeit in Tsingtau. Er war nun 68 Jahre alt und ließ sich in Koblenz als Pensionär nieder. Dort ist er mit 84 Jahren am 15.02.1920 gestorben.