Lebenslauf von Johann Heinrich (genannt „Heinz„) BOLLAND
im Kontext zu wichtigen zeitgeschichtlichen Ereignissen in China zwischen 1897 und 1976 (kursiv)
![]() | * 20.02.1889 – geb. in Bremen, Lützower Str. 93 (Schwester: Margarete Bolland, *25.04.1883 in Bremen, ⴕ 26.09.1968 in Ganderkesee) Sohn von Hermann Bolland (*30.12.1840 in Lesumbrok, ⴕ 28.03.1917 in HB/Hansestadt Bremen) und seiner Ehefrau Sophie Bolland, geb. Ehlers (*07.04.1852 in HB, ⴕ 23.04.1913 in HB) Zum Zeitpunkt seiner Versetzung nach China wohnhaft in Bremen, Contrescarpe 189 (im stattlichen Haus des Bruders seiner Mutter, dem vermögenden Kaufmann Johann Heinrich Ehlers, ⴕ 09.08.1938 in HB) sein Vater war bis zu seinem Tod 1917 Teilhaber an einem Tuch- und Herrengarderoben-Geschäft in HB, Langenstr. 140. Beide Häuser (Contrescarpe 189 und Lützower Str. 93) wurden 1944 von Fliegerbomben getroffen und gänzlich zerstört. |
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| 14. 11.1897 | Besetzung der Kiautschou-Bucht durch deutsche Truppen (Begründung: Ermordung von zwei deutschen Missionaren) |
| 27.04.1898 | Die Qing-Dynastie verpachtet gezwungenermaßen dem Deutschen Reich die Bucht von Kiautschou auf 99 Jahre (Tsingtau ist der Hauptort im Pachtgebiet Kiautschou, K. wiederum liegt in der Provinz Schantung/heute Shandong) |
| 6/20/1900 | Ermordung des dt. Gesandten/Botschafters Clemens von Ketteler während des sog. Boxeraufstands (1900/01) |
| 9/4/1901 | Dt. Forderungen: u.a. Abbitte durch „Sühnemission“; → Prinz Chun II. bei Kaiser Wilhelm II im Neuen Palais in Potsdam |
| 1895 – 1904 | Besuch einer 9-klassigen Handels- oder Oberrealschule bzw. eines Realgymnasiums in Bremen |
| 1905 – Anfang 1909 | kfm. Ausbildung in Bremen (bei Melchers & Co.?) sowie Wehrdienst (erworbener Dienstgrad: Unteroffizier der Reserve) |
| 1909 | Entsendung seitens Melchers & Co. nach Hankau bzw. Hankow / Hankou (heute ist Hankau ein Stadtteil von Wuhan) |
| 1911 | Chinesische Revolution (ausgehend von Südchina, Sun Yat-sen Übergangspräsid.), Aufstände u.a. auch in Wuchang auf der anderen Flussseite von Hankau, Ende der Qing-Dynastie (1644–1911) |
| 01.01.1912 | Gründung der Republik China (Yuan Shikai, Präsident ab Frühjahr 1912-1916, seit der Qing-D. Militärführer und Politiker) |
| 12.02.1912 | der erst sechsjährige Kaiser Puyi muss abdanken, darf aber weiterhin den Titel „Kaiser von China“ tragen |
| 1912 | Verbot der am 25.8.1912 von Sun Yat-sen gegründeten Nationalen Volkspartei China (Kuomintang) durch Yuan Shikai, Hauptstadt bis 1915: Nanking (heute Nanjing) |
| Mitte 1912/Mai 1913 | Versetzung nach Tsingtau (heute Qingdao), weiterhin als Kaufmann für die Firma Melchers & Co. tätig. Wohnhaft: Tsingtau, Prinz-Adelbert-Straße (Gründung der Melchers Niederlassung in Tsingtau: 1910) |
| 23. 08.1914 | Japan erklärt dem Deutschen Reich den Krieg |
| ab Aug. 1914 | Einberufung zur Verteidigung des Pachtgebietes Kiautschou Rang: Unteroffizier der Reserve zur Reserve-Feldbatterie des III. Seebataillons |
| 9/2/1914 | Landung der japanischen Truppen an der Nordküste Schantungs |
| Anfang Nov. 1914 | Damit ihre Autos nicht in japanische Hände fielen, stürzten viele Deutsche ihre PKWs von der Steilküste ins Meer |
| 11/7/1914 | nach langen Kämpfen Übergabe des Deutschen Pachtgebiets Kiautschou inkl. Tsingtau an Japan |
| Nov. 1914 – Dez. 1919 | als japanischer Gefangener in Haft im Lager Nagoya/Japan (Gefangenen-Nr.: 2477) |
| 06.06.1916 | Yuan Shikai stirbt in Peking, China zerfällt in regionale Herrschaftsbereiche, die bis 1927 von Warlords regiert werden (die Warlords – lokale Machthaber u. Provinzfürsten – kämpften untereinander um die Erreichung der Macht in Peking). |
| zw. 1921 und 1927 | Bolland beobachtete die Kämpfe verschiedentlich hoch zu Ross von einem Bergrücken (sie fanden nur bei Tageslicht statt, nachts wurden die Verwundeten versorgt, am Folgetag wurden die Kämpfe bis zum bitteren Ende fortgesetzt). Betroffen erzählte Bolland, dass in Zeiten von Missernten aufgrund von Trockenheit oder Überschwemmungen immer wieder Mütter ihre Babys auf Bahnhöfen den Zugpassagieren für nur wenige Dollar zum Kauf anboten. |
| März 1917 | Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Deutschland |
| 14.08.1917 | Kriegserklärung Chinas an das Dt. Reich (u.a. auf Druck der USA, aber auch um das dt. Pachtgebiet zurückzuerlangen) |
| Herbst 1917 – 1922 | China hat 2 Regierungen: die Zentral- oder Nordregierung in Peking und die Südregierung in Canton (heute Guangzhou) |
| 1919 | Auf Druck der Kriegsgegner mussten alle Deutschen China verlassen; einige von ihnen kehrten aber bereits 1920 zurück |
| Juli 1921 | Gründung der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) in Shanghai |
| Dez. 1919 | aus der Gefangenschaft entlassen, soweit bekannt unmittelbare Repatriierung nach Deutschland |
| ab Jan. 1920 | längerer Aufenthalt in Bremen, Contrescarpe 189; genaue Dauer und Tätigkeit unbekannt (Firma Melchers?) |
| 07.10.1920 | Eintritt in den Ostasiatischen Verein Bremen |
| 25.10.1920 | Verleihung des Eisernen Kreuzes (Anlass: Verteidigung von Tsingtau, fünfjährige japanische Gefangenschaft) |
| 20.05.1921 | Vertrag Chinas mit Deutschland auf Basis der Gleichberechtigung und gegenseitigen Nichtdiskriminierung (Verzicht Ds auf die Exterritorialrechte, wie u.a. Konsulargerichtsbarkeit; erstmals galt das Prinzip gegenseitiger Zollautonomie) |
| zw. 1921 und 1924 | erneute Ausreise nach China |
| 1924 | In China, kaufmännischer Mitarbeiter / Projektscout für das Unternehmen Mercator Oloff AG (Firmensitz: Bremen) |
| 1925 | Angestellter der Firma Bremen Colonial and China Trading Co., Tientsin, Via Principe di Udine (Inhaber: Friedrich F. Rode). Wohnhaft in Tientsin/Tianjin, Nr. 3, Corso Vittorio Emanuele III., Italienische Konzession (heute: Tianjin, Haihe E Road) |
| Sommer 1922 | vertragsgemäße Rückgabe des Pachtgebietes Kiautschou seitens Japan an China auf Drängen der USA |
| Sommer 1926 | die Kuomintang beginnt unter der Führung von Chiang Kai-shek den Nordfeldzug gegen die Beiyang-Warlords |
| 06.07.1927 | Rückreise von Bremen per Schiff nach Tientsin/Tianjin (Datum der Reise Tientsin – Bremen unbekannt) |
| 11.09.1927 – 1949 | Beginn des Chinesischen Bürgerkriegs (Kuomintang unter Chiang Kai-shek vs. KP Chinas unter Mao Zedong), in dem genannten Zeitraum ist Nanking (heute Nanjing) die Hauptstadt Chinas |
| 1928 | Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen (ab 1941 Sitz der dt. Botschaft(!) bei der Nanking-Regierung) |
| 1929 | Bau der 1. Eipulverfabrik in Eigenregie in Haiyang (Provinz Shandong, 130 km nördl. von Qingdao, 630 km südl. Tianjin) |
| ab 1930 | Teilhaber an der Firma Bremen Colonial and China Trading Co., Tientsin/Tianjin (zweiter Teilhaber: Friedrich F. Rode) |
| 01.03.1932 | Gründung des japanischen Marionettenstaates Mandschukuo mit Puyi als Kaiser (jetzt 26 Jahre alt) |
| Okt. 1934 – Okt. 1935 | „Langer Marsch“ der Kommunistischen Verbände und ihrer Sympathisanten (unter Führung von Mao Zedong) |
| 1/8/1935 | Mao Zedong wird zum Parteichef der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) gewählt |
| ab 1935 | Inhaber der Firma Bremen Colonial and China Trading Co., Tientsin/Tianjin (Quelle: ADO 1935 ff.), einziger Mitarbeiter bis Ende 1936 war Friedrich F. Rode, der mit 68 Jahren in den Ruhestand ging |
| 1937-1938 | Angestellte: Alfred Seidel, Johannes Gaedicke, Werner Dello (Quelle: ADO 1937) |
| 1937/1938? | Kauf eines Einfamilienhauses in Tientsin, Hongkong Road 335 (wohnhaft aber weiterhin in Corso Vittorio Emanuele III.) |
| Juli 1937 – Sept. 1945 | die Japaner beginnen den zweiten sino-japanischen Krieg und setzen die Eroberungen fort (bis Ende WW II) |
| 1937 – 1946 | der Bürgerkrieg wird u.a. durch das Stillhalteabkommen während der japan. Invasion für 9 Jahre unterbrochen |
| Anfang 1938 | die Japaner besetzen zum zweiten Mal Tsingtau; nach Kriegsende werden sie von den US-Streitkräften repatriiert |
| Mitte 1938 – Anf. 1939 | Bau und Eröffnung der 2. Produktionsstätte für die Herstellung von Eipulver in Tientsin/Tianjin ebenfalls in Eigenregie |
| ab 1938 | Angestellte: Alfred Seidel, Edmund Eichentopf, Frl. T. Truhin (Quelle: ADO 1938 und 1939) |
| 1938? | Kauf einer größeren Strandvilla in Peitaiho (heute Beidaihe), No. 4, East Beach Road (Architekt Rolf Geyling?), dort in den Sommermonaten zahlreiche Besucher/Einquartierungen, u.a. Pastor Müller, Fam. Jess, geflohene Zarenanhänger |
| 1939 | Umwandlung der Firma Bremen Colonial and China Trading Co. in J. H. Bolland & Co., Tientsin/Tianjin |
| Aug. – Okt. 1939 | Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Deutschland, Rückreise wg. des Kriegsbeginns über Schweden und Finnland nach China (siehe u.a. russische und mandschukische Visa in seinem Reisepass) |
| Aug./Sept. 1939 | während seines Aufenthaltes in Deutschland Gründung der Firma J. H. Bolland & Co. GmbH in Hamburg Anschrift: HH 36, Neuer Jungfernstieg 16, V. ab 1950: HH 36, Warburgstr. 30b zuletzt in 2000: HH 1, Mönckebergstr. 11 bzw. 13 |
| ab Dez. 1939 | Versand vor allem von Lebensmittelpaketen an seine Schwester sowie befreundete Familien in D (zuletzt über CH + DNK) |
| 30.03.1940 | Einsetzung einer japanischen Marionettenregierung für China in Nanking |
| Mai 1941 | Urlaub in Peitaiho (10. Mai: Bergtour zum Changli Shan mit Pastor Wolfgang Müller sowie den Herren Lisske u. Tritthart) |
| Juli 1941 | Urlaub in Peitaiho (Gäste um den 7. Juli: Pastor Müller, Riva, Trittharts, Hoferichter, Lange), Radfahrt nach Tang quan-si |
| 09.12.1941 | China erklärt Deutschland den Krieg (Grund: D hatte im Juli die projapan. Marionettenregierung unter Wang Jingwei in Nanking anerkannt und dort auch seinen Botschafter akkreditiert, zuvor hatte Chiang Kai-shek seine nationalchin. Regierung von Nanking/Nanjing nach Chongqing verlegen müssen, diese kämpfte gegen die japanische Armee) |
| Okt. 1942 | Geschäftsreise nach Tokio/Japan (s. Reisepass S. 24) |
| Mai 1943 | Geschäftsreise nach Tokio/Japan (s. Reisepass S. 23) |
| August 1943 | Urlaub in Peitaiho (u.a. abenteuerliche Wanderung zu einem Tempel mit Ernst Ruck, Pastor Müller und Kurt Buhmeyer) |
| 1944 | Schließung der Eipulverfabriken wegen fehlender Rohstoffe |
| zw. 1939 u. 1945 | die Engländer beschlagnahmen entschädigungslos eine Schiffsladung seiner Firma an ein in GB ansässiges Unternehmen |
| 1945 | Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Deutschland |
| 09. – 14.09.1945 | abenteuerliche fünftägige Flucht mit dem Segelboot „Möve“ von Paiteiho/Beidaihe nach Tientsin/Tianjin Besatzung: Schiffseigner Heinz Bolland, Kapitän Svendson, Pastor Müller als „Hilfsrudergänger“ (s. vorliegenden 19-seitigen Bericht von Pastor Wolfgang Müller, *10.12.1911 in Kassel, ⴕ 08.03.2003 in Kreuth) |
| 28.09.1945 | für 4.000 amerikan. Offiziere müssen u.a. auch „die Niederländisch-Indien-Damen das Bolland-Haus“ in Tientsin räumen |
| seit Sept. 1946 | angestellt als Berater bei dem halbstaatlichen chinesischen Konzern China Vegetable Oil Corp., Tientsin/Tianjin Anschrift der Firma: Tientsin/Tianjin, Nr. 38, Duo Lun Road wohnhaft in: Tientsin/Tianjin, No. 4, Chien Guo Dau, 2nd Ward |
| Ende März 1946 | Abzug der Amerikaner aus Tientsin, Bolland kann wieder das Haus in der Hongkong Road 335 beziehen |
| Juli 1946 | Urlaub in Peitaiho, Anreise mit der Familie Tritthart am 7. Juli, Rückkehr der Familie T. nach Tientsin am 23. Sept. 1946 |
| 01.06.1947 | laut einem auf diesen Tag terminierten Brief an Famile Buschmann in Lesumbrok geht Bolland noch davon aus, dass er auf unbestimmte Zeit in China verbleiben könne; er überlegte sogar, seine Schwester nach Tientsin zu holen |
| 01.09.1947 | Repatriierung nach D auf dem US-Truppentransporter „General W. M. Black“ (Shanghai, Suez-Kanal, Bremerhaven); damit war sein knapp 40-jähriger Aufenthalt in China beendet und er kehrte – bildlich gesprochen – mit dem Koffer, mit dem er 1909 als Berufsanfänger nach Wuhan ausgereist war, wieder mittellos nach Deutschland zurück, da seine Fabriken, Häuser, sein Auto, seine Bankkonten, etc. entschädigungslos konfisziert wurden und selbst bei der Einschiffung wurden den Passagieren noch Wertgegenstände jeglicher Art (Gold, Wertpapiere, größere Bargeldbeträge) abgenommen. |
| 1946/47 | Ausweisung aller 2.500 Deutschen aus China auf Druck der USA |
| 01.10.1947 | Am frühen Morgen Ankunft der USS General W. M. Black in Bremerhaven, Fahrt per Eisenbahn nach Ludwigsburg |
| 01.10. – 03.12.1947 | Aufenthalt im US Repatriation Center in Ludwigsburg Aus der Ferne betrachtet, führten die Expats in China ein Leben in Überfluss und Reichtum. Auch Bolland kam in den dreißiger Jahren zu einigem Wohlstand einschließlich einer stattlichen Strandvilla in Peitaiho. In Folge der beiden Weltkriege und verschiedentlicher Raubüberfälle musste er aber – wie auch die meisten deutschen Expats – mehrfach bei Null wieder beginnen. Besonders hart muss Bolland die Repatriierung 1947 getroffen haben, war er doch überzeugt, dass er nicht aus China ausgewiesen werden würde. |
| 04.12.1947 | Ankunft in HB (wohnhaft in Bremen-Burg, Lesumbroker Landstraße 205 bei Fam. Buschmann, Frau B. war seine Cousine) |
| 9/30/1948 | die 1942 irrtümlicherweise durchgeführte Liquidation der Firma J. H. Bolland & Co. GmbH (HH) rückgängig gemacht, Geschäftsführer nun Edmund Eichentopf |
| 1948 – 1951 | zahlreiche vergebliche Versuche, wieder dauerhaft nach Ostasien (jetzt vor allem nach Indonesien) auszureisen |
| 1949 | Sieg der Volksbefreiungsarmee; Flucht der Nationalregierung nach Taiwan (dort bis heute an der Macht) |
| 27.09.1949 | Peking wird anstelle von Nanking zur neuen Hauptstadt erklärt |
| 01.10.1949 | Staatsgründung: Mao Zedong ruft auf dem Tian’anmen-Platz in Peking die Volksrepublik China aus |
| 4/24/1951 | Kauf und Einzug in das Sommerhaus Birkenweg 85 in Rethorn bei Schierbrock nahe Ganderkesee in der Nähe von Bremen, heutige Postanschrift: Birkenweg 21 und 21A, 27777 Ganderkesee (der Kaufpreis betrug seinerzeit DM 6.500,- ) |
| bis 1976? | weiterhin Gesellschafter der Firma J. H. Bolland & Co. GmbH in HH, Mönckebergstr. 11 |
| 12/3/1952 | Antrag auf Wiedergutmachung von Vertreibungsschäden (Berücksichtigung finden nur die Eipulverfabriken) |
| seit mind. 1965 | jährliche Besuche in Berlin |
| 1966 – 1976 | Kulturrevolution, von Mao Zedong und seinen Verbündeten initiiert; in China auch als „Zehn Jahre Chaos“ bekannt |
| 1/29/1970 | Beginn seiner sogenannten „Traumweltreise“ auf der M.V. Oriental Queen der chinesischen Orient Overseas Line Stationen: HH-Dakar-Abidjan-Singapur-Keelung (Ausflug nach Taipeh)-Yokohama-Tokio-Ciba-Nagoya (Gefangen-schaft 1914-1919!)-Pusan-Keelung-Kaohsiung (Ladung auch für J. H. Bolland & Co. GmbH)-Hongkong-Singapur-Penang |
| 5/15/1970 | Ankunft in Hamburg (von Penang in 27-tägiger Fahrt ohne Stopp nach Hamburg) |
| 1971/1972 | längere Krankenhausaufenthalte wegen verschiedener Knieoperationen |
| 1972 | im Rahmen der Abwicklung der Wiedergutmachung wird ein Schadensmindestbetrag von RM 220.000,- festgestellt |
| Okt. 1972 | Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zu Deutschland (inoffizielle Kontakte gab es bereits seit 1964) |
| ⴕ 05.04.1975 | Chiang Kai-shek (Präsident der Republik China und Gegenspieler Mao Zedongs) stirbt in Taipeh/Taiwan mit 87 Jahren |
| ⴕ 08.01.1976 | Premierminister Zhou Enlai (langjähriger Mitstreiter Maos) stirbt in Peking, galt als intellektuell führender Kopf der KPCh |
| ⴕ 06.07.1976 | Staatsoberhaupt Zhu De stirbt in Peking mit 89 Jahren (war über viele Jahre Oberkommandierender der Roten Armee) |
| ⴕ 09.09.1976 | KP-Vorsitzender Mao Zedong stirbt (seine Frau und 3 weitere Politbüromitglieder werden inhaftiert, sog. Viererbande) |
| ⴕ 18.11.1976 | im Alter von 87 Jahren als großer Freund der Chinesen und Bewunderer Mao Zedongs in Rethorn verstorben (Text der Todesanzeige u.a.: „Tatkraft, Mut und Güte bestimmten sein Leben.“) Zu diesem Zeitpunkt existierte noch die Firma J. H. Bolland & Co. GmbH in Hamburg (Geschäftsführer Edmund Eichentopf verstirbt am 30.1.2000 im Alter von 86 Jahren) |

An wirklich Persönlichem ließen sich nur einige, wenige Briefe von ihm an seine Schwester, zwei Fotoalben (leider ohne Orts- und Datumsangaben) sowie ein aufschlussreicher Reisepass von 1937 finden.
Mit seinem Tod hat diese Linie der Familie Bolland aufgehört zu existieren, denn weder er noch seine Schwester hatten Kinder. Die Häuser, in denen sie und ihre Vorfahren gelebt haben, existieren nicht mehr. Sie wurden entweder durch Bomben oder Brandstiftung – wie er es ausdrückte – pulverisiert oder wurden abgerissen (in China und in Deutschland). So soll zumindest dieser Lebenslauf an diesen überaus warmherzigen Menschen erinnern, dessen Erzählungen in mir die Neugier geweckt haben, ferne Länder zu bereisen und nach Möglichkeit diese durch längere Aufenthalte nicht nur oberflächlich kennenzulernen.
Unser Onkel Heinz (eigentlich nur ein Nennonkel) war ein eher schweigsamer Mensch, der versuchte, mit seinen Mitmenschen in Frieden und ohne Streit zu leben. Nur durch permanentes Fragen konnte man ihm Stück für Stück Informationen über sein exotisches Leben im fernen China abringen. Er liebte das Meer über alles (er besaß ein größeres Segelboot) und selbst wochenlange Schiffsreisen ohne Landgang begeisterten ihn. An welcher Stelle eine gewisse Heli Hölscher kam, die er zwischen 1920 und 1935 in Bremen kennen gelernt haben muss, ist nicht bekannt. Jedenfalls blieben seine Bitten, zu ihm nach China zu kommen, unerhört. Und dann liebte er noch das gute Essen, starken Kaffee sowie ganz besonders Icecream. Außerdem war er nur äußerst selten ohne Pfeife oder eine Zigarre in der Hand zu sehen. Gesundheitlich hatte er trotz des vielen Rauchens nie über Probleme geklagt. Erst im Alter bereiteten ihm seine Kniee sowie der Rücken starke Schmerzen.
Zeit seines Lebens war er übrigens weder in Deutschland noch in China Mitglied einer politischen Partei, war aber Mitglied des Ostasiatischen Vereins Bremen sowie von Deutschen Clubs u.a. in Tientsin.
Er lebte im Reich der Mitte zeitweilig in Luxus ohne davon aber Aufhebens zu machen oder gar zu prahlen. Sein Leben nach 1947 in Deutschland war dagegen sehr genügsam, manch einer hätte wohl gesagt armselig, denn er bewohnte in Rethorn mit seiner Schwester ein Sommerhaus aus Holz ohne Bad und Anschluss an die Kanalisation; sein einziger „Luxus“ war ein Opel Kapitän oder 180er Mercedes, allerdings aus dritter oder vierter Hand. Trotzdem sein Leben nach seiner Rückkehr nach Deutschland sicherlich nicht immer einfach war, beklagte er sich niemals über seine Lebensumstände. Im Gegenteil, ging es Verwandten oder Freunden schlecht, versuchte er zu helfen. Bereits im Verlauf des 2. Weltkriegs tat er dies beispielsweise mit Lebensmittelsendungen, zuerst direkt (zwischen Dez. 1939 bis Mitte 1940 allein 762 Päckchen!), später über die Schweiz und Dänemark. Ab Ende der 50-er Jahre kann ich selbst mich noch gut an das Eintreffen großer Mengen von Erdnüssen und Konserven (vor allem an die Kisten mit weißen Pfirsichen aus Japan) mit großer Freude – natürlich der ganzen Familie – lebhaft erinnern.
Testamentarisch hatte er seinen kompletten Besitz unserer Mutter, meinen Brüdern und mir vererbt. Neben dem Grundstück befanden sich darunter wertvolle Möbel (Sofa, Sekretär, Tische und Schränke) aus der Biedermeier Zeit (noch aus dem Haus seines Onkels in Bremen), chinesische Messingschalen, Bronze- und Porzellanfiguren sowie auch ein handbestickter Pelzmantel aus dem Kaiserpalast in Peking.
Dr. Ludwig Heintze, Stand: 29.03.2022

