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Der Schraptiger und sein Sammler Eduard Wagner

Ein Versuch der Provenienzforschung

Von
Anika Olbrisch, Carla Schmidt, Teresa Hirsch, Rahel Schaefer

(Universität Leipzig; Fakultät für Geschichte, Kunst und Regionalwissenschaften; Historisches Seminar)

Einleitung

Bis heute ist die Herkunft zahlreicher Objekte der Sammlungen ethnologischer
Museen ungeklärt, zumal sie häufig in kolonialen Kontexten erworben wurden. So
verhält es sich auch mit vielen Objekten im GRASSI Museum für Völkerkunde zu
Leipzig.
Im Rahmen eines Forschungsprojektes an der Universität Leipzig in
Zusammenarbeit mit dem GRASSI Museum für Völkerkunde hat das Museum es
uns, vier Studentinnen der Universität Leipzig, ermöglicht, die Herkunft eines ihrer
Objekte zu erforschen. Bei diesem Objekt handelt es sich um ein chinesisches
Musikinstrument, das vor allem bei religiösen Ritualen verwendet wurde. Nach
Leipzig kam dieses Instrument mit mehr als 200 weiteren Objekten Anfang des 20.
Jahrhunderts durch den Sammler Eduard Wagner.
Ausgehend von dem von uns erforschten Objekt aus der Sammlung des Museums,
einem sogenannten Schraptiger, werden wir in der vorliegenden Arbeit zuerst auf
seinen ursprünglichen Verwendungskontext eingehen und den historischen Raum
beleuchten, aus dem der Schraptiger stammt. Nachdem die Übergabe des
Schraptigers an das Museum für Völkerkunde zu Leipzig betrachtet wird, schließt die
Arbeit mit unseren Recherchen über den Sammler Eduard Wagner ab.

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Höhere Beamte und Gelehrte des chinesischen Kaiserreiches, die zwischen 1911-14 sich in Tsingtau niederließen oder vorübergehend sich dort aufhielten.

Eine Zusammenstellung von Wilhelm Matzat, Bonn.

1)  Der zweite Prinz Gong, * ca. 1894, Enkel des 1.Prinzen Gong, kam mit Frau und 2 Söhnen

und seiner 60jährigen Mutter nach Tsingtau, wo er von 1912 bis 1922 in der Fushan Straße wohnte.  Seine Frau, eine mongolische Prinzessin, starb am 2.11.1918 in Tsingtau. Als Prinz Heinrich von Preußen, der Bruder Kaiser Wilhelms II., im Oktober 1912 Tsingtau besuchte, traf er sich heimlich mit Prinz Gong und Gu Hong-ming im Hause des Seezolldirektors Ernst Ohlmer.  Als Tsingtau im Dez.1922 an China zurückfiel, ging Prinz Gong in das japanisch besetzte Dairen .

Prinz Gong (Pu wei) war ein Vetter des letzten chinesischen Kaisers Xuantong (Pu yi). Richard Wilhelm hat ihm in seinem Buch: „Die Seele Chinas“ (1926, S. 179-94) ein Kapitel gewidmet: „Der Prinz“  (in der Neuauflage von 1980,S.231-249.)

Acht ehemalige Generalgouverneure

2)  Zhou Fu (1837-1921) kam 1912  als 75jähriger mit seiner ganzen Familie, ca. 40 Personen, nach Tsingtau. Einige seiner Stationen waren: 1882 Zoll-Superintendent in Tientsin; 1900 Provinzschatzmeister in Sichuan; 1902-04 Gouverneur von Shandong. Er besuchte im Dez.1902 als erster Shandong Gouverneur die deutsche Kolonie Tsingtau, wohnte in Schrameiers Haus, da dieser auf Urlaub in Deutschland war. 1904 wurde er Generalgouverneur in Nanking für die Provinzen Jiangsu und Zhejiang, 1906-07 Generalgouverneur in Canton für die Provinzen Guangdong und Guangxi.

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Jewish professors or lecturers at the Shantung University in Tsingtao 1933 – 1937

In 1929 Tsingtao was occupied by the Guomindang troops, and the Guomindang regime lasted until December 31 st 1937.  On Sept. 21 st 1930 the National Tsingtao University was established. The University comprised two Colleges, divided into seven departments, namely a College of Art and a College of Science. In May 1931 the Department of Education was enlarged into a separate College.

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Ehemalige Tsingtauer Zeitungen und Amtsblätter

Seit 7.7.1900 erschien wöchentlich das

„Amtsblatt für das Deutsche Kiautschou-Gebiet“

Ab 1.1.1911 hieß es dann: „Amtsblatt für das Schutzgebiet Kiautschou“

Ab dem 4. Jahrgang, 1904, hat das Amtsblatt ein Register der Verordnungen.

Verordnungen wurden zunächst sowohl auf Deutsch als auch auf Chinesisch gebracht, später erschienen nur noch deutsche Texte. Es enthielt auch standesamtliche Nachrichten, also Geburten, Trauungen, Sterbefälle von Europäern.

(Das Geheime Staatsarchiv Berlin hat die Jahrgänge 1902-06 und 1908-1912.

Die Berliner Stabi hat fast alle Jahrgänge, mit Ausnahme der Jahrgänge 1902 und 1903.)

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Namentliches Verzeichnis aller Deutschen in Tsingtau Anfang 1920

(Quelle: Bundesarchiv Berlin, R 9208, Akte 1581, Bl. 43-48)
Bearbeitet von Prof. Dr. Wilhelm Matzat, Bonn im Juli 2004.

Während die Liste der Deutschen in Tsingtau vom 28.9.1915 nur die Familiennamen und die Zahl der Kinder anführt, bringt die obige Liste die Vornamen der Erwachsenen und der Kinder, sowie bei Letzteren ihr Alter zum Zeitpunkt der Erhebung, also Anfang 1920.  Die obige Liste aus dem Bundesarchiv, R 9208, Akte 1581, Bl. 43-48, gibt für die Ehemänner weder Vornamen noch Beruf an, sondern nur, ob sie vor dem 1.8.1914  Beamter oder Angestellter des Gouvernements waren, oder Berufssoldat oder in der Privatwirtschaft tätig. Zusätzlich gibt die Liste an, in welchem japan. Gefangenenlager der Ehemann sich 1919/20 befindet. Die Vornamen und den Beruf der Ehemänner habe ich zusätzlich ermittelt aus der Liste der Kriegsgefangenen in Japan und aus dem Adreßbuch von Tsingtau aus dem Sommer von 1913. Die Berufsangaben beziehen sich auf den Stand von 1913.

Auffallend ist, daß bei den 4 Japanerinnen, die mit Deutschen verheiratet sind, weder ihr Vorname noch die Namen der Kinder angeführt werden. Es könnte sein, daß von diesen 4 Paaren einige gar nicht standesamtlich getraut waren.  Karl Mahnke, als Bauaufseher Beamter des Gouvernements, 52 Jahre alt, der 1914 bereits 4 Kinder hat, legalisiert sein Verhältnis mit Kio Yakabe am 19.8.1914 durch eine standesamtliche Trauung und schließlich am 15.2.1915 auch durch eine Trauung durch den evangel. Oberpfarrer Winter. Bald danach wird Karl Mahnke nach Japan in die Gefangenschaft abgeführt worden sein.

Die nun folgende Liste bringt also die Namen derjenigen Deutschen, die tatsächlich vom 1. August 1914 bis Anfang Januar 1920 in Tsingtau geblieben sind. Die Japaner haben nach dem 7. Nov. 1914 keine Deutschen mehr nach Tsingtau hineingelassen. Die einzige Ausnahme ist die Familie des Missionars Richard Wilhelm. Seine Frau und die 4 Söhne gingen Anfang August 1914 nach Peking und dann nach Shanghai. Frau Wilhelms Schwester, Frl. Hanna Blumhardt, befand sich Anfang August 1914 gerade auf Urlaub in Deutschland, kehrte aber 1915 nach Shanghai zu ihrer Schwester zurück. Richard Wilhelm, der auch der Repräsentant des Roten Kreuzes in Tsingtau war, und dadurch einen gewissen „inter-nationalen“ Status hatte, gelang es 1916, von den japanischen Behörden die Genehmigung zu erhalten, seine Frau und Kinder und auch Frl. Blumhardt nach Tsingtau zurückzuholen, was im Herbst 1916 geschah.

Am Schluß bringt eine zweite Liste die Namen derjenigen Deutschen,  die am 28.9.1915 noch in Tsingtau waren, aber in der Liste von Anfang 1920 nicht mehr genannt werden. Die meisten von ihnen werden in den Monaten nach dem Sept. 1915 Tsingtau verlassen haben.

Das Verzeichnis findet sich hier als pdf-Datei zum Download.

Die amtliche Bauverwaltung in Tsingtau 1898 bis 1914

Zusammengestellt von Prof. Dr. Wilhelm Matzat

Die Hafenbaudirektoren waren:

  • Marine-Baurat Georg Gromsch, 16. Mai 1898 bis Nov. 1902
  • Julius Rollmann, Marine-Hafenbaumeister Nov. 1902 bis Nov. 1907 (ab 1905 wurde der Hochbau selbständig) (Stellvertreter 1903-05 Regierungsbaumeister Pohl)
  • Marine-Baumeister Karl Bökemann, Dez. 1907 bis 22.2.1911
  • Marine-Hafenbaumeister Fritz Riekert, ab 22.2.1911 bis August 1914 TK*: Riekert (geb. 1876) trifft am 13.9.1910 in Tsingtau ein. Er übernimmt zunächst die Direktion der Bauverwaltung I (Hafenbau). Am 22.2.1911 wird Riekert Hafenbaudirektor, er löst den Hafenbaudirektor Bökemann ab. Hafenbaumeister Dr. Ing. Karl Gerecke, der am 16.3.1911 eintrifft, wird nun Direktor der Bauverwaltung I.

Abteilung I: Hafenbau

  • Wasserbauinspektor Born, 15.1.1901 erwähnt, bis Nov. 1902
  • Regierungsbaumeister Edwald Probst, ab Nov. 1902, 1903
  • Marine-Baumeister Ernst Troschel ab 4.9.1903 bis 1905
  • Marinebaumeister Karl Bökemann, 1907 bis 1.12.1907
  • Regierungsbaumeister Vaske, Dez. 1907, bis 13.9.1910
  • Marine-Hafenbaumeister Fritz Riekert, 13.9.1910 bis 22.2.1911
  • Marine-Hafenbaumeister Dr. Ing. Karl Gerecke ab 16.3.1911, 1912 , 1913: Gerecke promovierte an der TH Braunschweig am 12.3.1909 mit der Dissertation:
    „Untersuchungen zu Knotenpunktausbildungen bei Holzkonstruktionen.“
  • Marine-Baumeister Emil Klein, 1914 TK*

Abteilung II: Tiefbau

  • Regierungsbaumeister Bernhard Sievert, 15.1.1901 erwähnt, bis Nov. 1902
  • Dipl. Ing. Fritz Steinmetz, ab Nov. 1902, 1903
  • Regierungsbaumeister Kloevekorn, 1905, 1907
  • Diplomingenieur Fritz Steinmetz, 1908, 1910, 1911, 1912, 1913,
    auch Dozent an der Deutsch-Chinesischen Hochschule. TK*
  • Diplomingenieur Wiegrefe, 1914

Hochbauabteilung (bis 1905 Abteilung III)

  • Stadtbaumeister Max Knopff, August 1898 – 1900
  • Reg.-Baumeister Karl Strasser, 15.1.1901, 18.9.1902 (von 1903-04/05 nicht in Tsingtau)
  • Von 1903-05 war die Hochbauabteilung in die Abteilungen III.a, III.b und III.c eingeteilt, jede Abteilung hatte einen Regierungsbaumeister als Vorstand.
  • Ab 1905 bis Aug. 1914 war wieder Karl Strasser in Tsingtau und alleiniger Leiter der
    Hochbauabteilung, zum Schluss mit dem Titel: Intendantur- und Baurat. TK*

*TK = Tsingtaukämpfer anschließend in japan. Kriegsgefangenschaft

(Weitere Daten zu Fritz Riekert, Emil Klein, Fritz Steinmetz, Karl Strasser
bei Hans-Joachim Schmidt auf www.tsingtau.info)

Short history of the „Prinz Heinrich Hotel“ in Qingdao

Compiled by Wilhelm Matzat

When the Jiaozhou Leased Territory had been established on March 6 th 1898, the street plan of the future city was published on Sept. 2 nd 1898 and in October the first parcels were auctioned. The real estate was acquired by the buyers as full property. Among the buyers was a German merchant in Shanghai with the name Philipp Lieder. He had decided, to build a first class hotel for the city of Qingdao, which was now going to be built. He bought a parcel in a good position on the Kaiser Wilhelm Ufer (Taiping Lu) directly on the shore of the Yellow Sea. From January till Sept. 1899 the hotel was built, it got the name Prinz Heinrich Hotel, because Prince Heinrich of Prussia, the brother of the German emperor Wilhelm II., was in that year as admiral of a German cruiser squadron stationed in East Asia and often came to Qingdao. We do not know the name of the architect who designed the PH Hotel. We know that the German firm H. Mandl & Co in Shanghai was the contractor. That is not surprising, as Philipp Lieder was co-proprietor of  Mandl & Co. It sent its employee Wilhelm Buschendorff to Qingdao   to supervise the construction activities and the furnishing of the new hotel. It was for its time extremely modern, because the 40 double-rooms had each its own bath and balcony with the view to the open sea.
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Der Streit von 1989 um den Tsingtauer Hauptbahnhof

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Das Bahnhofsgebäude in den 80er Jahren

Zusammengestellt von Wilhelm Matzat, Bonn

Der Anfang des Jahres 1989 brachte ein für Tsingtau bis dato ganz ungewöhnliches Ereignis, die erste öffentliche Diskussion über die Art und Weise, wie in Zukunft mit der deutschen Bausubstanz umgegangen werden soll. Ausgelöst wurde die Debatte durch die Ankündigung, dass das 1900-1901 errichtete Gebäude des Hauptbahnhofes (Architekt Heinrich Hildebrand) abgerissen werden sollte. Angeblich hatte die Stadtverwaltung bereits 1988 diesen Beschluss gefasst aber zunächst geheim gehalten. Man darf aber bezweifeln, ob dieser Plan wirklich von der Stadtverwaltung ausging, denn normalerweise hat diese für die Grundstücke des Militärs und der staatlichen Eisenbahngesellschaft keine Planungshoheit. Die Eisenbahndirektion kann auf ihrem Gelände prinzipiell tun und lassen was sie will. Wie dem auch sei, die Bekanntgabe des geplanten Abrisses löste öffentliche Proteste aus. Als erste protestierte Chinas Zeitung für Umweltschutz (Zhongguo Huanjingbao). Sie veröffentlichte einen Leserbrief des Professors an der Pekinger Kunstakademie, Wang Wenbing, einem gebürtigen Tsingtauer. Dieser führte aus: Der historische Wert des Bahnhofs, eines der ersten Gebäude überhaupt in Tsingtau, sei ebenso groß wie sein kultureller, gerade in einer Stadt, die man auch wegen ihrer vielen Baustile ein „Museum der Architektur“ nenne. Die bauliche Stadtlandschaft habe in der ultralinken Kulturrevolution enormen Schaden erlitten, nun wolle man mit der Zerstörung des Bahnhofs die einstigen Fehler noch potenzieren.

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