Der Streit von 1989 um den Tsingtauer Hauptbahnhof

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Das Bahnhofsgebäude in den 80er Jahren

Zusammengestellt von Wilhelm Matzat, Bonn

Der Anfang des Jahres 1989 brachte ein für Tsingtau bis dato ganz ungewöhnliches Ereignis, die erste öffentliche Diskussion über die Art und Weise, wie in Zukunft mit der deutschen Bausubstanz umgegangen werden soll. Ausgelöst wurde die Debatte durch die Ankündigung, dass das 1900-1901 errichtete Gebäude des Hauptbahnhofes (Architekt Heinrich Hildebrand) abgerissen werden sollte. Angeblich hatte die Stadtverwaltung bereits 1988 diesen Beschluss gefasst aber zunächst geheim gehalten. Man darf aber bezweifeln, ob dieser Plan wirklich von der Stadtverwaltung ausging, denn normalerweise hat diese für die Grundstücke des Militärs und der staatlichen Eisenbahngesellschaft keine Planungshoheit. Die Eisenbahndirektion kann auf ihrem Gelände prinzipiell tun und lassen was sie will. Wie dem auch sei, die Bekanntgabe des geplanten Abrisses löste öffentliche Proteste aus. Als erste protestierte Chinas Zeitung für Umweltschutz (Zhongguo Huanjingbao). Sie veröffentlichte einen Leserbrief des Professors an der Pekinger Kunstakademie, Wang Wenbing, einem gebürtigen Tsingtauer. Dieser führte aus: Der historische Wert des Bahnhofs, eines der ersten Gebäude überhaupt in Tsingtau, sei ebenso groß wie sein kultureller, gerade in einer Stadt, die man auch wegen ihrer vielen Baustile ein „Museum der Architektur“ nenne. Die bauliche Stadtlandschaft habe in der ultralinken Kulturrevolution enormen Schaden erlitten, nun wolle man mit der Zerstörung des Bahnhofs die einstigen Fehler noch potenzieren.

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Missionaries of the American Presbyterian Mission in Tsingtao (Qingdao) 1898 – 1918.

When the Germans occcupied the territory on the east side of the Kiaochow Bay on Nov. 14 th,1897, the American Presbyterian Mission was already since decades well entrenched in Shantung. The fishing village Tsingtao belonged to the county of Tsimo. But there was no foreign mission station in the whole county at that date. In the neighbouring county town Kiaochow (Jiaozhou) the Swedish baptists had settled in 1892.

The missionary John J. Heeren, who was delegated to China in 1910 and in 1911 was stationed in Tsingtao, has published in 1940 a history of the American Preybyterian Mission in Shantung (On the Shantung Front). In this book one gets detailed information also on the history of the Presbyterian mission station at Tsingtao. Already in the autumn of 1898 the Rev. and Mrs. Paul D. Bergen moved from Chefoo to Tsingtao. On Sept. 2 nd, 1898 Tsingtao was declared a free port and one was now able to buy real estate. The development plan for the new town forsaw a quarter for Europeans and a quarter for Chinese businessmen and craftsmen (Dabaodao) and two outlying settlements for Chinese workmen (Taidongzhen and Taixizhen). To the 3 German mission societies (the Catholic Steyl SVD Mission, the protestant Berlin and the Weimar Mission) there compounds were donated by the German administration. The Catholic Mission had the best location: on the border between the European and the Chinese quarter Dabaodao. The compounds of the 2 German protestant missions were adjacent, but lay isolated, in quite a distance to the European quarter and between Dabaodao and Taidongzhen. Nevertheless this was a practical location, because so the compounds were not too far from the Chinese quarters, were the mission work had to be done.
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Menz, Gerhard, Dr.phil. (1885 – 1954), Redakteur und Schuldirektor

Geboren am 10.2.1885 in Kreuzburg/Oberschlesien, als Sohn des Volksschullehrers Heinrich Menz und der Valeska Waegner. Besuchte das Gymnasium in Kreuzburg, Abitur zu Ostern 1904. Studierte auf Lehramt an Gymnasien mit dem Hauptfach Geschichte an den Universitäten Breslau (9 Sem.) und München (2 Sem.). Promotion zum Dr.phil. in Breslau am 16.3.1910. Staatsexamen für das höhere Lehramt 1911. Chefredakteur der konservativen „Weimarischen Zeitung“ 1912. Anfang 1913 kauft er dem Hans von Kropff als Herausgeber und verantwortlicher Redakteur der Tageszeitung „Tsingtauer Neueste Nachrichten“ dessen Zeitung ab. Am 13.3.1913 heiratet er in Stolzenburg Berta Schwarzwäller, Tochter eines Gutsbesitzers, und fährt mit ihr über Sibirien nach Tsingtau, wo er am 31.3.1913 eintrifft und bis Oktober 1914 Herausgeber und Redakteur der TNN ist. Am 5.10.1914 erschien die letzte Ausgabe der TNN. Da er bei der Verteidigung Tsingtaus im Herbst 1914 nicht beteiligt war, konnte er nach Shanghai ausreisen, wo er von 1915 bis 1919 Direktor der Kaiser-Wilhelm-Schule war.

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Ohlwein, Walter (1909-1973), Kaufmann, Dr. Otto Ohlwein (1906-2002) und Emilie Nauert, geb. Ohlwein (1897-1985)

Walter Ohlwein wurde am 13.7.1909 in Essen geboren als Sohn des Kaufmanns Wilhelm Ohlwein. Er hatte noch 8 Geschwister, von denen 2 im Kindesalter starben. Er wird nach vierjährigem Volksschulbesuch eine Realschule absolviert haben, mindestens bis zur mittleren Reife. Da seine Eltern 7 Kinder zu versorgen hatten, werden sie nicht allen von ihnen eine höhere Schulbildung haben bieten können. Die Eltern beschlossen deshalb, wenigstens dem ältesten Sohn, Otto, geboren 29.12.1906, eine akademische Laufbahn zu ermöglichen. Er durfte die Humboldt-Oberrealschule in Essen besuchen und schloss 1926 den neunjährigen Aufenthalt dort mit dem Abitur ab. Nach einer zweieinhalb-jährigen Lehrzeit in einem Hamburger Überseehaus studierte er in Hamburg und Köln Volkswirtschaft und bestand 1929 in Hamburg das Diplomvolkswirt-Examen. 1927-28 war er Studentenwelt-meister im Rückenschwimmen gewesen. Im Dezember 1930 promovierte er im Fach Volkswirtschaft mit der Dissertation: „Der Handel in Gewürzen und getrockneten Früchten an der Hamburger Warenbörse“.

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Straßennamen Tsingtau

Straßennamen der Stadt Tsingtau bis 1914 in vier Umschriften.

Diese Liste der Straßennamen Tsingtaus erstellte ursprünglich Herr Wang Dong, Tsingtau

Herr Prof. Wilhelm Matzat redigierte die Liste und fügte weitere Namen hinzu.

Herr Prof. Takehiko Seto fügte weitere Namen hinzu und ergänzte die Liste um die meisten japanischen Namen.

Walther Kerner schrieb die Liste in Multiplan und formatierte sie dann auf Exel.

Stand: 25.06.2007 (weitere Verbesserungen von Prof. Matzat)

Die Repatriierung von Tsingtau- und Tsinan-Deutschen im August 1947 auf der „General Black“.

Verfaßt von Wilhelm Matzat, Bonn

Im Sommer 1947 wurde es bekannt, daß die Amerikaner weiterhin die Nanking-Regierung drängten, China-Deutsche zu repatriieren. Die chinesische Regierung machte mit, zumal es sie nichts kostete. Die Amerikaner, in ihrem zelotenhaften Eifer, übernahmen ja die gesamten Transportkosten. Immerhin wurden die zu Repatriierenden rechtzeitig informiert – mit vielen Ausnahmen, wie wir sehen werden. Sie erhielten von der Deutschen Nothilfe folgendes Schreiben:

Rundschreiben No. 42/47 Tsingtau, 2.August 1947

An alle Reichsdeutschen!

1. Die folgenden Namen stehen noch auf der von Nanking ausgegebenen Repatriierungsliste:

Familie Carl Ahrens Frl. Gertrud Janisch (sie war Österreicherin)
Familie Gustav Ahrens (Shanghai) Familie Friedrich Klicker
Familie Wilhelm Bälz Familie Carl Löwenstein (Taiyuan)
Familie Richard Bock Familie Dr. Karl Ludwig
Familie Heinrich Dietsch Familie Rudolf Müller
Herr Günther Düsing u.Sohn Hermann Herr Karl Reichel (Changsha)
Familie Bruno Frinke Familie Dr. Helmut Schwabe
Herr Carl Geschke Herr Walter Sperber
Herr Anton Hirsch Herr Dr. Hans Wallmüller
Prof. Franz Hübotter ferner:
Familie Otto von Alemann Herr David Kiesow
Familie Anatol Malsch

2. Die folgenden Namen wurden von uns aufgegeben für den Anschluß an die vorgesehene Repatriierung:

Ludmilla von Bergmann Erich Jungmann (aus Tsinan)
Elisabeth Imhoff (aus Tsinan) Agnes Leupold und Sohn Klaus (aus Tsinan)
Elsbeth Kroemer (NI) Karl und Martha Schäfer (aus Tsinan)
Heinrich Schläger Rosalie Schulze
Hermann Vorkauf
ferner die Österreicher: Josef und Charlotte Kruta u.Sohn Ralph Otto Teuschel (aus Tsinan)

Wir bitten um die Heimatadressen für 1) und 2): Ort, Provinz, Zone. Das maximal mitzunehmende Gepäck dürfte 150 kg pro Person, das maximal mitzunehmende Bargeld US $ 100.- betragen, Kinder die Hälfte. Deutsche Nothilfe TSINGTAU

Aus der Liste ist zu ersehen, daß die Gruppe 1) zwangsweise, also gegen ihren Willen, repatriiert werden sollte, während die Gruppe 2) anscheinend freiwillig mit nach Deutschland fahren wollte, da die meisten von ihnen wohl mittellos waren. Sie hätten ja keine Reisekosten, die Amerikaner bezahlten alles. Den zwangsweise zu Repatriierenden stand das Recht zu, beim Bürgermeister von Tsingtau, Li Hsien-liang, ein Gesuch um Rückstellung von der Liste einzureichen. Viele taten dies und erhielten offenbar, zumindest indirekt, den Hinweis, daß sie daraufhin nicht repatriiert würden.
In den Akten des amerikanischen Generalkonsulates von Tsingtau, die ich in den National Archives in Washington,D.C., einsehen konnte, fand ich einige Dokumente, die erhellen, was bis zum Abflug nach Shanghai am 28.August 1947 sich hinter den Kulissen abgespielt hat. Aus jenen geht hervor, daß die chinesische Seite, vertreten durch des Bürgermeisters Sekretär Samuel Li, der für das Ausländeramt zuständig war, die Angelegenheit recht locker nahm, während das U.S.Konsulat der Hauptdrahtzieher war, vertreten durch Generalkonsul Spiker, Konsul Richard Service und Vizekonsul Hein. Bürgermeister Li selbst hielt sich ganz bedeckt und ließ die drängenden Amerikaner lange Zeit abwimmeln mit der üblichen Ausrede: „Der Bürgermeister ist nicht da, wir wissen nicht wo er ist, wir können ihn nicht finden“ usw.

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Hong Shu-zu (1858 – 1919), Kabinettsekretär

Arrangeur des Attentats auf Song Jiao-ren in 1913.

Hong Shu-zu ist unter den „Flüchtlingen“, die nach der chinesischen Revolution vom 10. Oktober 1911 sich in Tsingtau niedergelassen hatten, sicherlich der Exotischste. Über ihn gibt es einen Aktenbestand. Im Jahre 1913 war Yuan Shi-kai provisorischer Präsident der chinesischen Republik und hatte sich inzwischen die Feindschaft von Sun Yat-sens Partei zugezogen. Einer ihrer wichtigsten Führer, Song Jiao-ren, wollte am 20.März 1913 zu Verhandlungen nach Peking reisen. Beim Besteigen des Zuges in Shanghai wurde er von 2 Attentätern angeschossen, und er starb 2 Tage später. Die beiden Attentäter wurden verhaftet, der eine starb im Gefängnis, der zweite konnte später entkommen, wurde aber im Januar 1914 im Zug Peking-Tientsin erschossen. Durch schnell gefundene Dokumente ergab sich der Verdacht, dass das Attentat vom Ministerpräsidenten Zhao Bing-qun in Peking und seinem Kabinettsekretär Hong Shu-zu veranlaßt worden war. Um sich einer Untersuchungshaft und einer eventuellen Bestrafung zu entziehen, floh Hong nach Tsingtau, wo er am 26. März 1913 eintraf und im Prinz Heinrich Hotel Quartier nahm. Der Gouverneur von Schantung forderte daraufhin seine Verhaftung und Auslieferung. Für das Gouvernement in Tsingtau ergab sich nun die Frage, ob Hong an die chinesischen Behörden auszuliefern sei oder nicht. Der relativ umfangreiche Briefwechsel ist erhalten und Hans Christian Stichler hat den Fall in einem Aufsatz dargestellt: „Die deutsche Jiaozhou-Administration und das Attentat auf Song Jiao-ren“, in: Berliner China-Studien, Bd.21, 1994, S.359-74. Aus den Schreiben, die damals im Jahre 1913 zwischen dem Gouvernement in Tsingtau und der deutschen Gesandtschaft in Peking und dem Auswärtigen Amt in Berlin gewechselt wurden, bringt Stichler ausführliche Zitate. Warum er das tut ist schwer einzusehen, denn das Endergebnis der Affäre ist ganz undramatisch: Hong kann in Tsingtau bleiben. Die chinesischen Behörden waren anscheinend nicht mehr interessiert, da sie durch wichtigere Ereignisse des Jahres 1913 abgelenkt waren. – Zhao Bing-qun, Hongs gewesener Vorgesetzter, starb plötzlich am 27.2.1914.
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Gromsch, George (1855 – 1910), Hafenbaudirektor

Richard George Gromsch wurde am 11.10.1855 in Danzig geboren. Nach dem Schulbesuch absolvierte er ein Bauingenieurstudium. Nach den beiden Hauptprüfungen wird er als Bauführer und dann als Regierungsbaumeister tätig geworden sein, offensichtlich zunächst im Danziger Hafen- und Werftbereich. Später ist er in Wilhelmshaven tätig (erwähnt im Mai 1896). Im August 1897 ist er nachweislich Bauinspektor auf der Kaiserlichen Werft in Kiel. Direktor der Werft dort war Georg Franzius, der im Frühjahr 1897 nach China geschickt worden war, um verschiedene Standorte an der chinesischen Küste zu vermessen, die eventuell als Flottenstützpunkt für die deutsche Ostasiatische Kreuzerdivision in Frage kämen. Franzius, begleitet von dem Dolmetscher Emil Krebs, hatte dabei auch die Bucht von Kiautschou besucht und vermessen. Kaum war Franzius nach Deutschland zurückgekommen und hatte seinen Bericht im Reichsmarineamt abgeliefert, geschah am 1.11.1897 die Ermordung zweier deutscher katholischer Patres in West-Schantung, die dann die Besetzung der Kiautschou Bucht am 14.11.1897 auslöste, und zwar durch das Matrosen-Landungskorps von 3 deutschen Kriegschiffen, unter Konteradmiral von Diederichs. Durch die nachfolgenden Verhandlungen mit der chinesischen Regierung konnte Deutschland an der Ostküste der Kiautschou-Bucht ein Areal für 99 Jahre pachten. Unter der Führung des Reichsmarineamtes und seines Staatsseketärs Tirpitz (später geadelt) sollte Tsingtau zu dem gewünschten Flotten- und Handelsstützpunkt ausgebaut werden, mit einem modernen Hafen und Docks, an denen auch Kriegsschiffe und Hochseeschiffe anlegen konnten. Sicherlich auf Empfehlung von Gromsch’s Chef, Georg Franzius, bestimmte Tirpitz den Gromsch dazu, die Bauverwaltung beim Gouvernement in Tsingtau zu leiten und den Bau eines Großen Hafens durchzuführen. Am 16. Mai 1898 traf Gromsch in Tsingtau ein. Eigentlich sollte der Berliner Stadtbaumeister Max Knopff gleichzeitig mit Gromsch ankommen, jener sollte die Hochbauabteilung des Gouvernements leiten und den städtischen Bauplan entwerfen. Wegen Erkrankung konnte Knopff aber nicht mitfahren und erreichte dann Tsingtau erst am 6. August 1898, so dass er bei dem Entwurf des Tsingtauer Bauplanes, der am 2. Sept. veröffentlicht werden musste, nicht mehr entscheidend mitwirken konnte.

Bis November 1902 hat Gromsch als erster Hafenbaudirektor und Leiter der Bauverwaltung Tsingtaus gewirkt. Ihm unterstanden 3 Abteilungen: 1. Hafenbau. 2. Tiefbau. 3. Hochbau. Er musste also grundlegende Entscheidungen für den Aufbau Tsingtaus fällen. Für das entscheidende Problem: „Wo und in welcher Form soll der Große Hafen gebaut werden?“ gab es schon 2 Entwürfe. Den einen hatte Georg Franzius geliefert, den anderen der Ingenieur Gädertz, den eines der Industriesyndikate nach Schantung geschickt hatte, um die Trasse zu inspizieren, längs der die Eisenbahnlinie von Tsingtau nach Tsinanfu (rund 450 km) gebaut werden sollte. Nachdem Gromsch das Terrain hinreichend kennengelernt hatte, verwarf er die Entwürfe von Franzius und Gädertz und die von ihnen vorgeschlagenen Standorte. Gromsch ist also der Schöpfer des Großen Hafen Tsingtaus, so wie er dann mit seinem langen nördlichen Umfassungswall und den 2 Molen bis 1905 gebaut worden ist.

Man kann hinzufügen, dass das RMA 1899 noch Admiralitätsrat Emil Rechtern für einige Wochen nach Tsingtau geschickt hatte, der vielleicht einige Ergänzungen eingebracht hat, letztendlich aber den Gromsch Plan abgesegnet hat. Rechtern war ja von 1876 bis 1891 der Hafenbaudirektor Wilhelmhavens gewesen, und hatte die erste Erweiterung des Hafens von WHV durchgeführt.

Es soll hier nicht weiter auf Gromsch’s Tätigkeit als Hafenbaudirektor Tsingtaus von 1898 bis 1902 eingegangen werden. Dazu wären längere Ausführungen nötig. Sicherlich waren diese Jahre kein Zuckerschlecken für ihn und Ärger und Kritik hat es genug gegeben. Erschwerend kam wohl hinzu, dass Gromsch’s Frau von seinen Kollegen irgendwie als nicht ganz standesgemäß angesehen wurde, so dass Gromsch’s gesellschaftliche Stellung in Tsingtau nicht optimal war. Gromsch war verheiratet mit Anna Clara Rosalie Nath (geb. in Elbing 9.2.1868).
Kinder: Werner geb. 3.11.1888 in Danzig; Herbert gest. 4.8.1891 in Danzig; Ulrich geb. 17.5.1896 in Wilhelmshaven; Lotte geb. 20.10.1900 in Tsingtau.
Am 29.7.00 wird Marine-Baurat Gromsch zum Hafenbaubetriebsdirektor ernannt.
Immerhin erhält Gromsch im Febr. 1902 den Roten Adlerorden IV. Klasse. Er fuhr am 12.02.1902 nach Shanghai und von dort für 4 Wochen nach Hankou, wegen der dort eingestürzten Quaimauer. Er wird vertreten durch Hauptmann Müller. Im November 1902 verlässt Gromsch Tsingtau endgültig und hält sich einige Monate in Zopot bei Danzig auf. Am 8.4.1903 trifft er in Kiel ein als Marinebaurat und Hafenbaumeister und wohnt in der Goethestraße. Aber bereits am 22.10.1903 zog er in seine Geburtsstadt Danzig zurück, wo er „mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Hafenbaudirektors“ beauftragt worden war. (Ostasiatischer Lloyd, 22.01.1904, 135.)

Marine-Oberbaurat und Hafenbaudirektor Gromsch ist am 12.12. 1910 nach längerem Leiden in Danzig im 56. Lebensjahr gestorben. (Kiautschou-Post 1911, 1. Halbband, S.16).

Im Hafenviertel Tsingtaus wurde eine Straße nach ihm, eine andere Straße nach Rechtern benannt.

Haupt, Adolf (? – 1933), Buchdrucker und Verleger

Adolf Haupt, der aus Aachen stammte, ist ab 1900 in Tsingtau nachweisbar, als angestellter Drucker der „Deutschen Druckerei und Verlagsanstalt“. Es ist nicht bekannt, wer der Eigentümer dieser Firma war, allem Anschein nach war es ein Geschäftsmann in Shanghai. Am 1.5.1903 erwarb der Tsingtauer Kaufmann Victor Roehr (siehe seine Einzelbiographie) diese Firma und erweiterte den Namen in „Deutsch-Chinesische Druckerei und Verlagsanstalt“. Haupt blieb zunächst bei dieser Firma und scheint 1904 geheiratet zu haben, am 5.2.1905 wurde die Tochter Claire geboren. Rund 2 Wochen vorher, am 19.01.1905 hatte er sich selbständig gemacht. Sein Betrieb befand sich in der Friedrichstraße 405 und inserierte mit dem Titel: „Buchdruckerei, Buchbinderei, Papierhandlung, Geschäftsbücher- und Stempelfabrik“. Später kamen noch weitere Titel hinzu: „Steindruckerei, Verlag, Liniiranstalt.“ Als Drucker holte er sich aus Aachen seinen jüngeren Bruder Wilhelm (genannt Willy) Haupt. Ab 10.10.1908 erschien bis zum 31.12.1912 die Wochenzeitung „Kiautschou-Post“, gedruckt bei Adolf Haupt. Verantwortlicher Redakteur war Hans von Kropff (siehe seine Einzel-biographie). Eine wertvolle Leistung Haupts war im Februar 1910 die Herausgabe von „Tsingtau Souvenir“, ein Bildband mit 50 großformatigen und scharf geschossenen Fotos der Stadt. Das Foto Nr.15 in diesem Band zeigt einen Teil der Friedrichstraße, u.a. auch das Haus von Haupt, mit der kahlen Brandmauer nach Süden, auf der in großen Lettern zu lesen ist: Adolf Haupt, Buchdruckerei usw. Eine zweite, leicht erweiterte Auflage erschien am 30.4.1914 mit dem Titel: „Album von Tsingtau“. Nach Kriegsausbruch verließ Frau Haupt im August 1914 mit den 4 Kindern die Stadt und ging nach Shanghai. Adolf und Wilhelm Haupt nahmen an der Verteidigung der Stadt teil und waren dementsprechend bis Anfang 1920 in japanischer Kriegsgefangenschaft.
Wilhelm Haupt, der unverheiratet war, kehrte nach Tsingtau zurück und war Angestellter der Firma Seidel, Siebold & Co. Er starb in Tsingtau am 1.7.1935.
Adolf Haupt ging nicht nach Tsingtau, denn er hatte dort sein ganzes Eigentum durch die Japaner verloren, sondern kehrte mit Frau und Kindern nach Deutschland zurück. Erst 1923, am 17.11., bestieg er mit Frau und Kindern ein Schiff in Hamburg und fuhr nach Shanghai. Er fand dort eine Anstellung bei der A.B.C. Press, einer deutschen Buchdruckerei des Eduard Hänggi. Als in Tsingtau die Steyler Mission ihre alte Vorkriegsdruckerei im März 1926 wieder eröffnete, in denselben Räumen, konnte sie Adolf Haupt als Leiter gewinnen, der daraufhin nach Tsingtau zurückkehrte. Die zweite überaus wichtige Publikation Adolf Haupts ist der im Selbstverlag erschienene „Führer durch Tsingtau und Umgebung“, Tsingtau 1927, 155 Seiten, mit 72 Fotos, und einer Straßenkarte im Maßstab 1:12500. Außerdem gab er in demselben Jahr den Führer auch auf Englisch heraus. Es ist mir nicht bekannt, ob eine zweite deutsche Auflage erschienen ist. Jedenfalls bereitete er im Jahre 1933 die Zweitauflage des englischen Textes vor, starb aber am 15.06.1933. Seine Witwe wandte sich dann an den amerikanischen Buchhändler und Verleger George G. Telberg, Inhaber des „International Bookstore“ in der Schantung Straße, ob er nicht die Zweitauflage betreuen könne. Er willigte ein und fügte die Entwicklungen Tsingtaus bis zum Jahre 1934 hinzu. So erschien im Juli 1934 die „Second Revised Edition“ von Adolf Haupts: „Guide to Tsingtao and its environs“.

Das Ehepaar Haupt hatte 2 Söhne und 2 Töchter, die alle in Tsingtau geboren wurden:

1) Claire, *5.2.1905. Anlässlich ihrer Geburt pflanzte Adolf Haupt auf dem Platz vor dem Gouvernementsdienstgebäude einen Ginkgo-Baum. Claire heiratete einen Herrn Grenz. Sie wohnte im Jahre 1980 in Imst, Nordtirol.
2) Sohn (Albert ?) * 20.11.1906
3) Sohn, * 10.5.1910
4) Berthel, * 19.10.1910. Später verheiratet mit einem Herrn Sönksen.

Engelter, Theen und Schlichtiger in Tsingtau.

Im Jahre 1910 errichtete die Columbia G.m.b.H. in Tsingtau in der Hohenzollernstraße eine Fabrik zur Herstellung von Albumin und Trockeneipräparaten. Als Geschäftsführer kam der Kaufmann Ludwig Engelter mit seiner Familie nach Tsingtau.

Das Paar Engelter ging offenbar im Aug. 1914 nach Tientsin und blieb dort bis ca. 1920, war danach wieder in Tsingtau kaufmännisch tätig, zunächst als Betriebsleiter der Shantung Products Manufacturing Co. (zusammen mit Dr. K. Ludwig), von 1927 bis 1933 als Mitinhaber der Firma Vitama Co., Ltd. mit Filialen in Tsinan und Tsining. Der andere Inhaber war Martin Krogh. Die Firma betrieb eine Pflanzenölraffinerie und produzierte pharmazeutische Nährmittel. 1933 ist das Ehepaar Engelter nach Deutschland zurückgekehrt, Ludwig E. ist irgendwann nach 1945 gestorben.

Das Ehepaar Ludwig und Therese Engelter hatte drei Töchter.

1) Die offensichtlich älteste Tochter war 1910 bereits verheiratet mit einem Herrn Weber und war deshalb nicht nach Tsingtau mehr mitgekommen. Deren Tochter, Elisabeth Weber, heiratete später in Hongkong den Kaufmann Hanspeter Meuser, dessen Vater war der Marinearzt Dr. W. Meuser.     Frau Elisabeth Meuser war 1979 in Hamburg nachweisbar.

 

2) Elisabeth (gen. Else) Engelter, * 10.1.1890, heiratet 1912/13 in Tsingtau den Elektro-Ingenieur Hermann Schlichtiger sen., * 9.3.1881, Angestellter der Firma Siemens-Schuckert.

Schlichtiger nahm an der Verteidigung Tsingtaus teil und war Kriegsgefangener in Japan von Nov. 1914 bis Frühjahr 1920. Seine Frau war August 1914 nach Tientsin gegangen. Hermann ging im Frühjahr 1920 zu seiner Frau in Tientsin und wirkte dort als Ingenieur bis 1934, dann kaufte er sich in Tsingtau das Haus Fushan Road 27 und wohnte dort bis 1950. Das Paar ging dann nach Deutschland, wo es in Heimersheim lebte. Herman sen. ist dort 1965, Frau Schlichtiger 1971 gestorben. –   Dem Ehepaar Schlichtiger war als einziges Kind der Sohn Hermann jun. am 5.12.1926 in Tientsin geboren worden. Er besuchte von 1934 bis zum Abitur 1945 die deutsche Schule in Tsingtau. Ging Juni 1946 mit der „Marine Robin“ nach Deutschland zum Studium der Physik an der TU Stuttgart. War verheiratet. Ist + 1998.

 

3) Luise Engelter, * 1891, heiratet am 14.8.1911 in Tsingtau Theodor Theen, * 1886, seit 1907 in Tsingtau als Kaufmann in der Firma Schwarzkopf & Co. Seine Eltern, Kaufmann Christoph und Caroline Theen, siedeln sich 1910 in Tsingtau an als Privatiers. Dem Paar Theodor und Luise Theen wird am 6.2.1913 in Tsingtau der Sohn Heinz-Lutz geboren. Damit sind zu dem Zeitpunkt 3 Generationen Theen in Tsingtau ansässig, die aber bei Kriegs-ausbruch 1914 nach Tientsin gehen, während Theodor an der Verteidigung teilnimmt und dementsprechend bis 1920 in japan. Kriegsgefangenschaft ist. Er kommt 1920 zu seiner Frau nach Tientsin zurück und wird dort Angestellter der Firma Hackmack & Co., später ist er bei der Defag beschäftigt (noch 1939). Sehr wahrscheinlich sind Theodor Th. und seine Frau 1946 auf der „Marine Robin“ repatriiert worden. Er findet eine Beschäftigung in Ludwigs-hafen bei der BASF. In dem „Adressbuch der Deutschen Ostasiens 1956“ wird Theodor Theen noch erwähnt als Pensionär, er wohnt Ludwigshafen, Brahmsstr. 10.

 

Der Kunstmaler Heinz-Lutz Theen ist zwar in Tsingtau geboren, aber in Tientsin aufgewachsen bis zu seinem 6. Lebensjahr. Von 1937 bis 1939 war er wieder in China und hat sich der Abbildung von Menschen, Gebäuden und Landschaften in China gewidmet, in Öl, Aquarell und Zeichnungen. Er kehrte 1939 über Sibirien nach Deutschland zurück, seine Bilder-Kisten gingen jedoch mit einem Schiff im Roten Meer unter.

1979 nachweisbar in Nord-Ballig bei Flensburg.

                 Die Familien Engelter, Theen und Schlichtiger in Tsingtau.

 

Im Jahre 1910 errichtete die Columbia G.m.b.H. in Tsingtau in der Hohenzollernstraße eine Fabrik zur Herstellung von Albumin und Trockeneipräparaten. Als Geschäftsführer kam der Kaufmann Ludwig Engelter mit seiner Familie nach Tsingtau.

Das Paar Engelter ging offenbar im Aug. 1914 nach Tientsin und blieb dort bis ca. 1920, war danach wieder in Tsingtau kaufmännisch tätig, zunächst als Betriebsleiter der Shantung Products Manufacturing Co. (zusammen mit Dr. K. Ludwig), von 1927 bis 1933 als Mitinhaber der Firma Vitama Co., Ltd. mit Filialen in Tsinan und Tsining. Der andere Inhaber war Martin Krogh. Die Firma betrieb eine Pflanzenölraffinerie und produzierte pharmazeutische Nährmittel. 1933 ist das Ehepaar Engelter nach Deutschland zurückgekehrt, Ludwig E. ist irgendwann nach 1945 gestorben.

Das Ehepaar Ludwig und Therese Engelter hatte drei Töchter.

1) Die offensichtlich älteste Tochter war 1910 bereits verheiratet mit einem Herrn Weber und war deshalb nicht nach Tsingtau mehr mitgekommen. Deren Tochter, Elisabeth Weber, heiratete später in Hongkong den Kaufmann Hanspeter Meuser, dessen Vater war der Marinearzt Dr. W. Meuser.     Frau Elisabeth Meuser war 1979 in Hamburg nachweisbar. Weiterlesen